Anspannung und Entspannung während der Geburt

Die Geburt kann als Abfolge von wiederkehrender Anspannung und Entspannung betrachtet werden. Ganz ohne unser Zutun wechseln sich diese beiden Zustände ab. Kommt eine Wehe, spannt der Körper sich an, die (Gebärmutter-)Muskeln arbeiten. Nach der Wehe entspannt sich die Muskulatur, es gibt eine Wehenpause, bis die nächste Wehe kommt. Sofort wechseln wir in den Zustand der Anspannung. Und immer so weiter, meist über Stunden, bis das Kind geboren ist. In diesem ständigen Wechsel liegt eine große Kraft und Möglichkeit, die Geburt gut zu überstehen. Würde eine Geburt nur aus der Phase der Anspannung bestehen, ohne den Wechsel zur Entspannung, könnten wir dies nicht über Stunden ertragen.

Die Wehenpausen

Die Entspannungsphase während der Geburt, also die Wehenpause, ist elementar wichtig für die Geburt. Und genau hier können wir bewusst aktiv werden und das Potential nutzen. Die Gebärmuttermuskulatur unterliegt diesem Rhythmus des Lebens ganz ohne unser Zutun und ist nichtwillentlich steuerbar. Doch unseren restlichen Körper und unseren Geist dürfen und müssen wir bewusst entspannen. Denn je intensiver wir die Wehenpause nutzen, um uns zu entspannen, desto mehr Energie tanken wir für die nächste Wehe; und jede nächste Wehe bringt uns ein Stück näher zu unserem Kind. Wehenpausen während der Geburt können unterschiedlich lang sein. Am Anfang vielleicht 10 Minuten, am Ende der Geburt eher nur noch 2-3 Minuten. Es ist also eine relativ kurze Zeit, in der wir aktiv anstreben können uns zu entspannen. Was dabei helfen kann, ist eine ritualisierte Brücke oder ein „Knopf“, der uns in eine Art Entspannungszustand bringt. Eine kleine Aktion, wie ein Knopfdruck, auf den wir konditioniert sind, um uns zu entspannen. Wie tief diese Entspannung dann jeweils ist und ob jeder Knopfdruck eine Entspannung auslöst, sei dahingestellt.

Entspannung

Lass uns noch einmal schauen, was Entspannung ist und wie sie funktionieren kann. Denn eines ist klar, die alleinige Aufforderung (an uns selbst): „Jetzt entspann dich doch mal!“ ist völlig sinnlos und führt sicher nicht zu Entspannung. Entspannung bedeutet, dass das parasympathische Nervensystem überwiegend aktiv ist. Dies ist der Zustand, in dem unser System in dem Modus: „Alles ist gut, ich bin in Sicherheit, ich bin geborgen.“ läuft. Das Pendant dazu ist das sympathische Nervensystem, das uns in den Modus: „Kampf oder Flucht“ versetzt und in dem wir unsere Sinne schärfen, unsere Muskeln anspannen, Atem- und Herzfrequenz steigen und ganz und gar angespannt sind, weil es im Zweifelsfall um Leben und Tod geht und wir voll leistungsfähig sein müssen.

In welchem Modus wir uns befinden beziehungsweise welches Nervensystem überwiegend aktiv ist, können wir beeinflussen. Hierzu eignen sich verschiedene Arten der Entspannungstechniken. Eine anerkannte und nachweislich effektive Methode funktioniert über die Atmung. Beruhigen und verlangsamen wir willentlich unseren Atem, hat dies einen Einfluss auf das Nervensystem. Dabei könnten wir inmitten einer sechsspurigen Schnellstraße stehen – oder aber in einem Kreißsaal in Anwesenheit unbekannter Personen und zwischen piependen Maschinen. Wenn wir es schaffen, uns auf unseren Atem zu konzentrieren und ihn zu steuern, dann hat dies einen Einfluss auf das Nervensystem. Vermutlich wird der Entspannungszustand an diesem Ort nicht so schnell und tief eintreten, als wenn du eben diese Atemübung an einem sicheren Ort deiner Wahl durchführen würdest – aber immerhin.

Beeinflussung des Nervensystems durch Atmung

Bei dieser Beeinflussung geht es im Wesentlichen um die Verlängerung des Ausatmens. Die Einatmung darf von selbst passieren – doch das Ausatmen wird bewusst verlängert. Das kannst du völlig ohne Übung jetzt sofort tun. Atme einmal noch aus, beobachte deine Einatmung und dann lass deinen Atem langsam, zum Beispiel auf 8 Zähler, ausfließen. Das machst du für einige Atemzüge. Zack – hast du deinen Atem verlangsamt und damit dein Nervensystem beeinflusst. Wie auf Knopfdruck!

Entspannung während der Geburt

Und hier kommen wir zurück zur Entspannung unter der Geburt. Du kannst durch das Lenken deines Atems zu jedem Zeitpunkt einen Einfluss auf deine Entspannung nehmen. Doch während der Geburt bist du vielen Reizen ausgesetzt, nicht zuletzt dem Schmerz während der Wehe. Diese Reize wollen deine Aufmerksamkeit. Und an diesem Punkt kommt der Entspannungs-Knopf, den du – vielleicht sogar mit Unterstützung deiner Geburtsbegleitung – drücken kannst, um dich von den Reizen der Geburt nicht überrollen zu lassen und immer wieder zurück zu dir und deiner Entspannung zu kommen. Du allein kannst dir diesen Knopf der Entspannung einbauen. Du kannst lernen, dich zu entspannen. Dabei kannst und solltest du dir Ritualisierung und Konditionierung zu eigen machen.

Installation deines Entspannungs-Knopfes

Bei der Installation deines Knopfes darfst du verschiedene Grundlagen und Gegebenheiten zum Thema Entspannung beachten. Wenn du deinen Knopf installiert hast und ihn möglichst oft genutzt hast, also deine Entspannungstechnik geübt hast, kannst du ihn ganz sicher während der Geburt in den Wehenpausen nutzen. Dabei darfst du dich frei von (Erwartungs-)Druck machen und dem Gefühl von Selbstwirksamkeit Raum geben. Für mich ist das Üben von Entspannungstechniken und das Installieren eines „Knopfes“ zur Entspannung eine der wichtigsten Geburtsvorbereitungen. Es ermöglicht dir, die kurzen Momente der Wehenpausen effektiv zu nutzen, Kraft zu sammeln und voller Energie die nächste Wehe zu veratmen oder dein Kind durch dein Becken zu schieben. Dein Entspannungsknopf gibt dir die Möglichkeit, selbstwirksam zu sein und in deiner Kraft zu bleiben.

 

Hast du schon eine Idee, wie du deinen Knopf installierst? Oder brauchst du dazu noch ein paar Grundlagen und Inspirationen? Lass es mich gern wissen in den Kom

 

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