Heute möchte ich dir verraten, was du zur Geburt in meinen Augen wirklich dabei haben solltest. Vorweg möchte ich kurz klären, wovon wir eigentlich sprechen. Denn oft höre ich von Frauen vor der Geburt: „Ach, es wird mir ganz egal sein, was ich während der Geburt trage/esse/trinke/sehe/höre! Da habe ich schließlich anderes zu tun.“ Dem möchte ich aus meiner Erfahrung widersprechen.

Wenn ich von Geburt spreche, dann meine ich nicht nur die finalen Minuten, in denen dir wirklich alles egal ist und du dein Kind in Kürze in die Arme schließen wirst. Eine Geburt dauert oft Stunden. Viele Stunden. Das ist richtig und gut so (genauso wie auch kurze Geburten okay sind – aber eben nicht die Regel) und nichts, wovor du dich fürchten musst. Die verschiedenen Phasen der Geburt sind alle wichtig und haben ihre eigene Zeit. Und in den meisten Phasen und damit auch die meiste Zeit der Geburt ist es eben nicht egal, was du trägst, was du isst, was du trinkst und was du tust.

Das Kuschelhormon und wie du es durch deinen Körper fließen lässt

Grundsätzlich wird die Geburt von Hormonen gesteuert. Eines der wichtigsten Hormone dabei ist das Oxytocin. Je mehr Oxytocin deinen Körper flutet, desto besser. Nun wird es auch als Kuschelhormon bezeichnet – und das nicht zufällig. Es ist das Hormon, das wir ausschütten, wenn wir kuscheln – wenn es uns gut geht, wir uns geborgen und sicher fühlen. Körperlich und seelisch, versteht sich. Darum ist es ein schönes Bild, dich auf die Geburt so vorzubereiten beziehungsweise dich einzurichten wie zu einem gemütlichen kuscheln-Seele-baumeln-lassen-wohlfühl-Abend.

Wie genau du diesen Abend zelebrierst, weiß ich natürlich nicht, aber vermutlich ziehst du dir bequeme Kleidung an, genießt leckeres Essen, trinkst einen Tee oder dein Lieblingsgetränk, legst die Beine hoch, liest ein gutes Buch, schaust deine Lieblingsserie oder hörst Musik, die dich berührt. Vielleicht genießt du ein warmes Bad mit extra viel Schaum, machst dir eine Wärmflasche oder kuschelst dich in eine Wolldecke und zündest dir eine Kerze an. Vielleicht magst du deinem/r Partner*in nah sein und massiert werden oder einfach gehalten werden.

All das fördert deine Oxytocin-Ausschüttung. Außerhalb der Geburt tust du das für dieses wohlige Gefühl im Bauch und im Herzen. Bei der Geburt tust du es für dein Kind, für die Wehen. Denn ohne Wehen kein Kind. Und für das wohlige Gefühl im Herzen.

Und nur als kurzes Gedankenspiel: Stell dir vor, du solltest einen solchen Kuschel-Abend an einem fremden Ort, der hell ausgeleuchtet ist, verbringen, in Kleidung, die dir nicht gehört und inder du dich nicht richtig bewegen kannst, weil du Sorge hast, dass dein Po oder deine Unterhose ungewollt für all die unbekannten Menschen sichtbar werden, die für dich willkürlich den Raum betreten und dich fragen, wie es dir geht. Etwas Gutes zu essen und trinken hättest du auch nichtdabei – genauso wenig wie dein Buch, deine Musik. Weil du dachtest, dass es dir egal sei. Jetzt frage dich: Wie kuschelig wäre dieser Abend? Wie sehr würdest du dieses wohlige Gefühl im Bauch und Herzen spüren – oder anders: wie viel Oxytocin würde durch dein Blut fließen? Wenig. Sehr wenig.

Ich bin mir sicher, du verstehst, was ich meine.

Bereite dich auf die Geburt vor, als wolltest du den kuscheligsten Kuschel-Abend der Welt erleben. Mit allem, was dazu gehört. Ja, ich weiß, du denkst jetzt vielleicht an deine Nachbarin, die gerade mal 2 Stunden im Kreißsaal war, bevor das Baby da war, und für all das gar keine Zeit und Nervengehabt hätte. Möglich, dass auch dich eine rasche Geburt erwartet. Genauso gut kann aber auch das Gegenteil der Fall sein.

Also gut, fangen wir mit den in meinen Augen wichtigsten Dingen an:

1.Outfit

2.Snacks und Getränke

3.Oxytocinbooster

 

Dein Outfit

Dein perfektes Geburtsoutfit ist völlig individuell. Hauptsache, du fühlst dich wohl darin, es ist bequem und du kannst dich bewegen! Hier ein paar Tipps, worauf du achten kannst: Viele Gebärende tragen unter der Geburt irgendwann keine Hose mehr. Dann ist es praktisch, wenn das Shirt oder Hemd über den Po geht und die Gebärende sich nicht so nackig fühlt. Wobei nackt sein natürlich auch voll ok ist.

Außerdem ist eine Unterhose geschickt, in der du dich gut fühlst und dich gut bewegen kannst. Sie sollte so sein, dass du darin eine große Binde unterbringen kannst – falls deine Fruchtblase sich öffnet, bevor dein Kind geboren wird. Oder du trägst „Periodenwäsche“, die den Vorteil hat, dass die Binde schon integriert ist und nichts verrutscht.

Warme Füße sind wichtig für die Geburt. Wollsocken sind deswegen eine gute Idee. Und wenn du es auf ein ganz besonderes Level bringen willst, würde ich dir ein Hemd oder Shirt ans Herz legen, das sich vorne komplett öffnen lässt – und falls du bei der Geburt einen BH tragen möchtest, kannst du auch hier einen wählen, den man vorne öffnen kann – dann kann man dich am einfachsten beim Entkleiden unterstützen, wenn du dein Baby direkt auf deine nackte Haut legen möchtest.

 

Snacks und Getränke

Gutes Essen und Getränke können nicht nur ein wohliges Gefühl auslösen, sondern vor allem auch wichtige Energie liefern. Geburt ist körperliche Arbeit, es ist Muskelarbeit. Um diese Arbeit zu erbringen, braucht dein Körper ausreichend Energie – je länger du nichts zu dir genommen hast, etwa weil die Geburt lange dauert und du keinen Appetit hast, desto tiefer sinkt dein Blutzuckerspiegel und du kommst in einen Unterzucker – was wiederum der körperlichen Arbeit nicht gerade zuträglich ist. Es ist deswegen extrem wichtig, dass du und deine Begleitung darauf achtet, dass du deinem Körper genug Energie zuführst.

 

Aber nicht nur du musst bei Kräften bleiben, sondern auch die Menschen, die dich begleiten. Ich empfinde es deswegen als sehr liebevolle Geste, einen Snackkorb oder ähnliches bereitzuhalten, für alle, die Energie brauchen. Dein Partner*in zum Beispiel, oder auch das Team aus Hebamme, Doula, Ärzt*in oder Fotografin könnte davon profitieren…

 

Für dich als Gebärende solltest du auch etwas leichte Kost dabei haben – eine Banane, Traubenzucker, evtl. eine Kraftbrühe oder einen Proteinshake.

 

Oxytocinbooster

Unter Oxytocinboostern verstehe ich alles, was dein Herz erfreut, was du liebst und wodurch du dich gut fühlst. Oder anders ausgedrückt – alles, was du dir bereitlegst, bevor du dich an deinem Kuschel-Abend in deine Decke kuschelst. Deine Musik, dein Duft, dein Buch, dein Strickzeug, dein Massageöl, deine Wärmflasche. Erinnere dich, Geburt bedeutet nicht nur dieletzten 10 Minuten, bevor du dein Kind in den Armen hältst, Geburt beginnt lange davor. Es sind oft viele Stunden der Wehenarbeit, die du gestalten und erleben darfst. Ich erlebe beide Extreme: Gebärende, die stundenlang Wehen haben und nicht wissen, was sie in den Wehenpausen tun sollen, und nur darauf warten, dass es weitergeht. Und es gibt Gebärende,die versuchen, sich mit allen Mitteln abzulenken. Ich denke, dass beides nicht optimal in Hinsicht auf den Geburtsverlauf ist. Idealerweise nutzen wir die Stunden, um etwas zu tun, was uns gut tut, was aber nicht alle unsere Sinne vereinnahmt. Denn Geburt sollte aktiv sein.

Zwischen den Wehen kannst du dich also gut bewegen oder ruhen – wie es dir lieber ist, deine Lieblingsmusik hören, ein paar Seiten lesen, Yoga machen, stricken oder meditieren.

 

Indem du deine Geburtstasche also bewusst mit Dingen packst, die dir gut tun, bereitest du innerlich schon wichtige Grundlagen für die Geburt vor. Wenn du dich fragst, was dein Oxytocinbooster ist, der dir hilft dich zu entspannen und dich geborgen zu fühlen, wirst du herausfinden, was dir während der Geburt gut tun wird, und du wirst darauf zurückgreifen können.

Denn das ist einer der wichtigsten Punkte der Geburtsvorbereitung: herauszufinden und dich darauf vorzubereiten, wie du dich quasi auf Knopfdruck (also nach jeder Wehe) entspannen kannst.

Denn jede entspannte Wehenpause bringt Kraft und Energie für die nächste Wehe und jede nächste Wehe bringt dich deinem Kind näher.

Zusätzlich zu den beschriebenen Dingen lege dir gerne noch Kosmetiktasche inklusive Zahnbürste, Latschen, Geldbeutel mit Versichertenkarte, Ladekabel, Mutterpass und ggf. das Stammbuch bereit. Gerne natürlich auch Wechselkleidung für die Zeit nach der Geburt und die ersten Dinge für dein Kind.

 

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