Nun dauert die Pandemie schon einige Monate an und wird sich auch noch eine Weile hinziehen.

Viele Bereiche des Lebens haben sich verändert, so vielerorts auch die Geburt und die Umstände, unter denen sie stattfindet. Es gibt hierzu allerdings wenig einheitliche Regelungen, jedes Hebammenteam und jedes Krankenhaus hat eigene Regeln und Vorschriften.

 

Drei Dinge haben für Gebärende im Moment eine besondere Bedeutung:

1.Dass die Gebärende unter der Geburt möglicherweise einen Mund-Nasen-Maske tragen muss.

2.Dass die Begleitperson vor/während/nach der Geburt nicht (durchgängig) anwesend sein kann.

3.Dass das Infektionsrisiko im Krankenhaus hoch ist.

 

Hier einige Ideen, wie du mit den Veränderungen, die durch die Corona-Pandemie entstanden sind, umgehen kannst:

1.

  • Diese Sorge kann ich aus meiner Erfahrung nur entkräften. Oft behindert die Maske auch bei einer bewussten und tiefen Atmung die Gebärende nicht. Sollte es anders sein, bin ich der festen Überzeugung, dass kein geburtshilfliches Team eine Gebärende zwingen wird, bei einer erschwerte Atmung oder einem erhöhten Sauerstoffbedarf eine Maske zu tragen. Das wäre medizinisch (und ethisch) auf keine Weise vertretbar und genau so sollte jede Schwangere im Ernstfall auch argumentieren. Vertraue den Menschen um dich herum: Sie wollen das Beste für dich. Keiner möchte, dass du leidest. Wenn du dennoch das Gefühl hast,es geht nicht und niemand erkennt deine Not, mache deutlich, dass du mit jemand anderem darüber sprechen möchtest (zum Beispiel mit der/dem (Ober-) Ärzt*in). Bitte darum, dass dein Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen, dokumentiert wird. Aber nochmal zurück: ich bin mir sicher, dass niemand dir etwas zumuten möchte, was dir schadet.

2.

  • Schon mit der Entscheidung, wo und mit wem du dein Kind gebären möchtest, triffst du eine wichtige Entscheidung – auch darüber, wie sehr deine Geburt von der Pandemie beeinflusst wird. Bei einer Hausgeburt darf dein Partner*in üblicher Weise auch durchgängig anwesend sein. Ob du eine Maske tragen musst, liegt im Ermessen der Hebamme. Ähnlich ist es im Geburtshaus. Im Gegensatz dazu wird dein Partner*in im Krankenhaus als Besucher*in angesehen und unterliegt damit den eingeschränkten Besucherregelungen im Krankenhaus, auch wenn es oftmals „Ausnahme-Besucherregelungen“ für den Kreißsaal und die Wöchnerinnenstation gibt. Diese sind sehr unterschiedlich und können sich auch immer wieder ändern.
  • Knowledge is power. Sprich mit denen, mit denen du dein Kind bekommen wirst. Erzähle ihnen von deinen Sorgen und bringe in Erfahrung, wie die Regelungen sind.
  • Ich persönlich würde Himmel und Erde in Bewegung setzen, um das Beste für mich und meine Familie möglich zu machen. Auch wenn es eventuell nicht der übliche Weg ist. Erfrage, ob es möglich wäre, dass deine Begleitung (gegebenen Falls auf eigene Kosten) einen Schnelltest macht, um dann früher/mehr bei dir sein zu können. Ob es die Möglichkeit gibt, auf der Station ein Einzelzimmer zu buchen (die Kosten selbst zu tragen), damit die Begleitperson dauerhaft dabei sein kann und sich mit dir und dem Kind in Quarantäne im Zimmer begibt. Vielleicht darf die Begleitung eher dabei sein, wenn sie sich mindestens 14 Tage vor der Geburt in Isolation begibt? Ob und welche Möglichkeiten es gibt, hängt sicher an den internen Regelungen und auchan der Kooperationsbereitschaft der Klinik/des Geburtshauses. Ich würde meiner Kreativität freien Lauf lassen und alles versuchen – auch wenn davon keine Möglichkeit realisiert werden kann, so hättest du doch den beteiligten Personen gegenüber zum Ausdruck gebracht, wie wichtig es für dich ist und dass ihr bereit seid, euren Teil beizutragen.
  • In meinen Augen ist es von wesentlicher Bedeutung, dass eine Gebärende von einer vertrauten Person bei der Geburt unterstützt wird. Doch ich bin auch tief überzeugt, dass du Kräfte und Möglichkeiten in dir trägst, die dir ermöglichen, dein Kind unter den widrigsten Umständen ohne eine solche Person gebären zu können. Und zu dieser Überzeugung darfst auch du kommen. Nur um das noch einmal deutlich zu machen: ich wünsche dir von Herzen eine gute und vertraute Begleitung bei der Geburt, und in den meisten Fällen ist es auch so. Dennoch glaube ich, dass eine große Kraft darin liegt, wenn du so viel Selbstbewusstsein (in Bezug auf die Geburt) entwickelst, dass dich kein äußererUmstand daran hindern kann, dein Kind in Liebe und Vertrauen zu gebären. Denn das geschieht in dir und zwischen dir und deinem Kind. Da kann die Welt um dich herum in Schutt und Asche verfallen. Wenn du in Liebe und Vertrauen bei dir und deinem Kind bist, wird das der entscheidende Faktor sein.
  • Solltest du zu Beginn der Geburt oder aus anderen Gründen schon während der Schwangerschaft (zum Beispiel zu einer Geburtseinleitung) im Krankenhaus aufgenommen werden müssen, kläre vorab, wann deine Begleitung dazukommen kann. (In dem Kreißsaal, in dem ich arbeite, darf eine Begleitperson dazukommen, sobald die Gebärende im Kreißsaal aufgenommen wird und wir uns sicher sind, dass sie den Kreißsaal nicht mehr ohne ihr geborenes Kind verlassen wird. Ganz egal, wie weit der Muttermund geöffnet ist oder ähnliches.) Kläre es, um dich und deine Begleitperson darauf vorzubereiten und auch selbst dafür sorgen zu können, dass die Begleitperson dann auch wirklich kommen kann.
  • Nach der Geburt halte ich es von extrem hoher Wichtigkeit, dass Mutter, Partner*in und Kind zusammen sein können. Es ist immens wichtig im Sinne der Familienwerdung und des Bondings zwischen allen Familienmitgliedern. Die einfachste und sicherste Variante ist sicher, die Zeit nach der Geburt zuhause zu verbringen. Im Falle einer Klinikgeburt ist dann eine ambulante Geburt, also die Entlassung aus dem Krankenhaus 4-6 Stunden nach der Geburt, eine Möglichkeit. Sollte dies aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich sein, würde ich unbedingt die Anwesenheit einer Begleitperson anstreben. Denn entweder die Gebärende ist in einer solchen gesundheitlichen Verfassung, dass sie das Krankenhaus nicht verlassen kann – dann sollte dringend eine Begleitperson für das Kind zugelassen werden, da die Mutter die Versorgung unter diesen Umständen nicht alleine bewältigen kann. Oder aber das Kind hat ein medizinisches Problem, dann braucht es eine Begleitperson, die sich um das Kind kümmern kann, was nicht der Gebärenden alleine zugemutet werden kann. Auch wenn argumentiert wird, dass das Krankenhauspersonal diesen Teil übernehmen kann, würde ich mich als nicht-gebärender Elternteil dafür einsetzen, dass ich diese Aufgabe übernehmen kann und werde. (Es ist schließlich auch mein Kind und ich möchte und kann für die Versorgung die Verantwortung tragen.)

3.

  • Der Angst, dass du oder dein Kind sich im Krankenhaus anstecken könntest, kannst du auf verschiedenen Wegen begegnen. Grundsätzlich ist das Risiko einer Infektion im Krankenhaus immer erhöht und damit ist deine Angst nicht unbegründet. Die wichtigste Frage in diesem Zusammenhang ist grundsätzlich: Ist das Krankenhaus der angemessene und richtige Ort? Wenn nein, solltest du ihn meiden. Wenn ja, musst du das Risiko in Kauf nehmen. Es ist, wie es ist – vertraue darauf, dass alle Beteiligten sich und euch möglichst gut schützen werden, um das Risiko so gering zu halten, wie es möglich ist. Auch in der Klinik sind die Vorsichtsmaßnahmen die, die wir seit Monaten alle ergreifen: Hygiene (Händewaschen!), Abstand halten, wann immer es möglich ist auch von anderen Patienten (Einzelzimmer!) und dem Personal (Versorge dein Kind, so weit es möglich ist, selbst!), Kontaktvermeidung durch eine möglichst baldige Entlassung nach Hause.

Ich bin der festen Überzeugung, dass du auch während der Pandemie eine wundervolle und sichere Geburt erleben kannst und wirst.

 

 

An dieser Stelle möchte ich noch ein paar Fragen beantworten, die mir auf Instagram gestellt wurden:

Wie geht es dir als Hebamme mit den Maßnahmen im Krankenhaus?

  • Ich habe nach 10 Jahren Pause zu Beginn der Pandemie wieder angefangen in einem Kreißssal zu arbeiten. Ich kenne das aktuelle Geschehen also nur unter Corona-Bedingungen. Natürlich herrschte auch bei uns in den ersten Wochen Unruhe und Verunsicherung. Inzwischen haben sich alle an die Maßnahmen gewöhnt. Ich persönlich habe kein Problem damit über Stunden eine Maske zu tragen und soweit es geht zu anderen Abstand zu halten. Die Kommunikation zwischen mir und den Gebärenden würde ich auch als wenig gestört einstufen- trotz beidseitiger Maskenpflicht. Für die Gebärenden und ihre Familien und die Ungeborenen/Neigeborenen tut mir die aktuelle Situation leid. Gebärende gehören unterstützt, der nicht gebärdende Elternteil sollte ein Recht haben seine/ihre Partnerin die ganze Zeit begleiten zu dürfen und noch viel mehr sein/ihr Kind in allen Phasen Beistand zu leisten. Ich bin mir sicher, dass die von außen auferlegte Trennung von Familien das Bonding der einzelnen Mitglieder stört und Elternschaft verändert. Ich plädiere deswegen ganz deutlich an alle (werdenden) Eltern: setzt alles, was in eurer Macht steht um, um jegliche Trennungen zu vermeiden. Dennoch sehe ich auch, dass das Krankenhauspersonal geschützt werden muss. Ihrer selbst wegen aber auch, damit sie weiterhin ihrer wichtigen Arbeit nachkommen können. Und dazu gehört eben die wichtige Säule der Kontaktminmierung. Wäre ich Krankenhausdirektorin, würde ich für den Kreißsaal und die Wochenbettstation andere Richtlinien erlassen und die Menschen hier unterstützen. da ich diese Position aber nicht innehabe, versuche ich Gebärende und ihre Familien bestmöglich untder den gegebenen Umständen zu unterstützen.

Was hältst du von Vor- und Nachsorge trotz Quarantäne?

  • Grundsätzlich müssen alle Schwangeren mit Schwangerenvorsorge und Wochenbettbetreuung versorgt werden können. Wie das möglich ist, muss individuell geschaut werden. Stehen der außerklinisch arbeitenden Hebamme nicht die angemessenen Schutzmittel zur Verfügung, kann sie diese Aufgabe nicht übernehmen und die Arztpraxis oder die Klinik muss dafür einspringen. Es sollte auf jeden Fall eine Lösung gesucht werden. Im Zweifelsfall würde ich die Krankenkasse mit ins Boot holen.

Welche Erfahrungen hast du gemacht? Haben Frauen unter der Geburt jetzt mehr Angst?

  • Der Vergleich fällt mir schwer- da ich ja zeitgleich mit der Pandemie wieder aktiv in die Geburtshile eingestiegen bin. Grundsätzlich haben viele Frauen in Bezug auf die Geburt Ängste. Manche mehr, manche weniger- das war aber schon immer so. Und schon immer halte ich es für wichtig (vielleicht am wichtigsten bei der ganzen Geburtsvorbereitung) sich diesen Ängsten im Vorfeld zu stellen und einen Umgang mit ihnen zu suchen. Die größten Ängste und ein paar Ideen zum Umgang habe ich weiter oben angesprochen.

Haben Geburtspläne jetzt unter Corona noch weniger Relevanz für das Personal?

  • Idealer Weise sollte das Personal einem guten(!) Geburtsplan immer eine hohe Relevanz zukommen lassen. Denn schriftlich fixierte Wünsche der Gebärenden sind fixierte Wünsche, die in die Dokumentation eingehen sollten. Wie ernst das von verschiedenen Teams genommen wird, kann ich nicht beurteilen. Allgemein sollte jedem bewusst sein, dass der ausdrückliche Wunsch eines Patientens (überall) eine hohe Relevanz hat und wichtige Entscheidungen beeinflussen sollte. Im Zweifelsfall kann medizinisches Personal in schwierige Situationen geraten, wenn der Wunsch eines Patienten übergangen wurde, ohne das ein Notfall vorlag. Hätte ich Zweifel daran, dass das Team, dem ich mich anvertrauen möchte und mein Kind gebären möchte, meinem Plan keine Relevanz beimisst, würde ich mich schleunigst nach einem anderen Ort/Team umsehen.

Hast du eine Maskenempfehlung? FFP2 oder lieber eine ganz dünne aus Stoff?

  • Bei uns im Kreißsaal müssen alle Personen eine chirurgische Maske (auch bekannt als Wegwerf- oder Einmalmaske) tragen. Diese wird vom krankenhaus gestellt. Abgesehen davon würde ich diese Art der Maske auch allen anderen im Kreißsaal empfehlen- aus persönlicher Beobachtung. Ich trage seit Monaten stundenlang diese maske im Kreißsaal und habe zig Wehen damit veratmet. Ich halte die Belüftung und den Tragekomfort damit als hoch. Wenn die Gebärende bei uns ihre Maske abnimmt, tragen wir vom Team FFP2 Masken, damit empfinde ich die Atmung als erschwert und würde sie deshalb nicht während der Wehenatmung tragen wollen.

 

Beim Schreiben dieses Textes fallen mir einige weitere, wichtige Themen ein, über sie ich schreiben möchte:

  • Wie du deinen Ängsten in Bezug auf Geburt begegnen kannst und wie du lernst mit ihnen umzugehen.
  • Wie du das Selbstvertrauen findest, dass du eine gute Geburt erleben wirst, indem du bewusste Entscheidungen triffst und dich mental vorbereitest.
  • Wie du dir und deiner Familie eine ambulante Geburt ermöglichen/organisieren kannst.
  • Wie du deinen Geburtsort findestt

Falls du weitere Fragen oder Denkanstöße zu diesem Thema hast, schreibe gerne weiter unten einen Kommentar!

 

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