Nachdem ich kürzlich meine ersten Dienste im Kreißsaal hatte, habe ich in einem Gespräch mit meinem neuen Arbeitgeber erzählt, dass mir schon in so kurzer Zeit zurück in der Geburtshilfe SO viele Sachen aufgefallen sind, über die ich gerne schreiben würde. Wissen, das jede Schwangere am besten haben sollte, bevor sie in den Kreißsaal kommt. #Geburtswissen eben. Und meine Kollegin von Pacura Med war davon so angetan, dass wir uns überlegten, dieses Projekt nicht warten zu lassen sondern gleich zu beginnen. Und so ist unser gemeinsames Projekt #Geburtswissen eine echte Sturzgeburt und heute gibt es den ersten Artikel dazu. Es geht um die Vaginaluntersuchung…

Was verstehen wir unter einer Vaginaluntersuchung?

Die Vaginaluntersuchung (VU) ist eine Untersuchung, bei der der Gebärmutterhals und der Muttermund von der Untersuchenden mit den Fingern abgetastet wird. Während der Geburt kann außerdem das Köpfchen des Kindes im Becken und die Beckenräume getastet werden.

Wann ist diese Art der Untersuchung notwendig?

Wie jede Untersuchung sollte sie nur dann durchgeführt werden, wenn das Untersuchungsergebnis eine Relevanz hat. Routinemäßige Untersuchungen in der Schwangerschaft und unter der Geburt haben (laut aktueller Studienlage) keinen Nutzen und müssen kritisch betrachtet werden.

Wenn die Vermutung besteht, dass (vorzeitige) Wehen in der Schwangerschaft eine Wirkung auf den Gebärmutterhals und den Muttermund haben, kann dies mit Hilfe einer VU festgestellt werden.

Unter der Geburt kann der Fortschritt der Geburt anhand der Beurteilung des Muttermundes vorgenommen werden. Außerdem ist diese Untersuchung wichtig, um festzustellen, dass das Kind gut in das Becken eintritt und seinen Weg hindurch findet. Da beides in vielen Fällen von ganz alleine passiert, ist eine routinemäßige Untersuchung nicht angebracht. Besteht allerdings der Verdacht, dass etwas nicht so verläuft, wie es wünschenswert ist, und Maßnahmen ergriffen werden müssen, kann eine Vaginaluntersuchung sehr aufschlussreich sein.

Empfinden während der Untersuchung

Die Vagina ist ein sensibles Organ. Das Empfinden bei Berührung  ist sehr individuell und sehr von verschiedenen Faktoren abhängig. Das Eindringen kann sehr lustvolle Gefühle auslösen, zum Beispiel bei Geschlechtsverkehr oder Masturbation, jedoch auch als schmerzvoll empfunden werden.

Im Gebärmutterhals liegen Nervenenden, was dazu führt, dass hier Schmerzen durch Wehen oder durch Berührungen während einer Untersuchungen entstehen können. Es gibt viele Frauen, die die Berührung an dem Gebärmutterhals oder dem Muttermund während der Geburt als unangenehm oder schmerzhaft empfinden, andere erleben dies als schmerzfrei.

Wenn die Vaginaluntersuchung unangenehm ist oder Schmerzen bereitet

Dem emotionalen und körperlichen Eindringen in diesen sehr intimen Bereich, den die Vulva und Vagina darstellen, begegnen viele Frauen mit ängstlichen und ablehnenden Gefühlen. Dies verursacht auf körperlicher Ebene Stress und führt damit zu Verspannungen. Wenn sich die Beckenbodenmuskeln und die Vagina zusammenziehen und „dicht machen“, um sich zu schützen, kann die Untersuchung sehr schmerzhaft sein. Nicht wegen der eigentlichen Untersuchung, sondern wegen des Widerstands, den unser Körper leistet.

Dies ist ein Schutzmechanismus, den wir nicht willentlich in Gang setzen, sondern der reflexartig entstehen kann. Um dies zu verhindern, kann die Untersuchende einiges beitragen, doch auch die Untersuchte kann hier aktiv gegensteuern.

Ideale Voraussetzungen für eine schmerzfreie Untersuchung

Je mehr Vertrauen die Untersuchte in die untersuchende Person und die Untersuchung hat, desto weniger schmerzhaft wird diese empfunden. Folgende Voraussetzungen sollten erfüllt sein:

  • Es besteht ein Vertrauensverhältnis zwischen Untersuchender und Untersuchter.
  • Die Untersuchende erklärt der Frau, warum sie eine Vaginaluntersuchung durchführen möchte, und lässt die Frau so die Notwendigkeit erkennen.
  • Sie wartet den Zeitpunkt ab, zu dem die Frau sich bereit fühlt, untersucht zu werden (auf jeden Fall nur in der Wehenpause!) und ihr Einverständnis gibt.
  • Die Untersuchende kommuniziert auch während der Untersuchung mit der Frau und bittet sie, ihr mitzuteilen, ob und wann sie Schmerzen empfindet.

In seltenen Notfallsituationen kann es notwendig sein, auch dann eine Untersuchung durchzuführen, wenn nicht alle Kriterien erfüllt sind.

Was du selbst als Schwangere oder Gebärende tun kann, um die Untersuchung positiv zu unterstützen, denn du musst die Untersuchung nicht passiv über dich ergehen lassen:

  • (Ein)Verständnis. Sorge dafür, dass man dir erklärt, warum die Untersuchung notwendig ist. Solltest du die Gründe nicht nachvollziehen können, bitte darum, dir einen Moment Zeit zu geben, damit du dir überlegen kannst, ob du der Untersuchung zustimmen möchtest. Eventuell kannst du darum bitten, mit der Untersuchung noch zu warten. Manchmal ist es möglich, dass du dich selbst untersuchst. Wenn du mit der Untersuchung einverstanden bist, schenke der Untersuchenden dein Vertrauen. Sie wird das Beste für dich und dein Kind im Sinn haben und auch in diesem Sinne handeln.

 

  • Körperliche Entspannung. Je mehr der Beckenboden und die Vagina angespannt sind, desto schmerzhafter kann die Untersuchung sein – um das Gewebe möglichst bewusst  zu entspannen, kann Folgendes hilfreich sein.
  • Muskelentspannung: Spanne deinen Beckenboden und deine Gesäßmuskulatur fest an, am besten während einer Einatmung. Stell dir vor, dass du deinen Beckenboden in Richtung deines Bauchnabels ziehst und deine Gesäßbacken ganz fest- und zusammenziehst. Halte kurz den Atem an und spüre die maximale Anspannung. Solltest du gerade in Rückenlage im Bett liegen, hat dein Gesäß sich wahrscheinlich von der Unterlage gelöst und schwebt in der Luft. Nun atmest du kräftig aus und lässt mit der Ausatmung die gesamte Spannung los. Dein Gesäß senkt sich wieder auf die Unterlage ab. Spüre noch während eines Atemzugs nach und lasse auch hierbei noch einmal ganz bewusst die verbleibende Spannung los. Diese Übung kannst du schon während der Schwangerschaft durchführen und dann ganz gezielt einsetzen, wenn eine Vaginaluntersuchung ansteht.
  • Die Richtung, nämlich das Gesäß Richtung Unterlage, ist die Richtung, die du während der Untersuchung anpeilen solltest: Vielleicht hilft dir ein Mantra:  „Ich lasse mein Gesäß schwer auf die Unterlage sinken und lasse los.“   Je mehr du verkrampfst und je höher die Spannung ist, desto weiter hoch wandert das Gesäß – dadurch entstehen nicht nur mehr Schmerzen, sondern dies erschwert auch die Untersuchung. Lass immer wieder bewusst los.
  • Körperhaltung. Steht eine Untersuchung in Rückenlage an, kannst du deine geballten Hände unter dein Gesäß schieben – hierdurch veränderst du den Winkel deines Beckens und die untersuchende Person kann leichter an den Gebärmutterhals und den Muttermund beziehungsweise das Köpfchen gelangen.

 

  • Atmung. Bewusstes Atmen kann sowohl schmerzlindernd als auch entspannend wirken. Konzentriere dich also während der Untersuchung auf deinen Atem und steuere ihn bewusst. (Das kannst du immer machen, wenn du Schmerzen hast oder eine unangenehme Prozedur über dich ergehen lassen musst.) Da Schreck, Angst und Schmerz uns meistens unseren Atem stocken lassen oder wir sehr flach atmen, liegt der Fokus auf der bewussten, tiefen und ruhigen Atmung. Bei der Untersuchung kannst du tief und langsam über die Nase einatmen und dir dabei vorstellen, wie du die Luft bis in deinen Bauch, bis zu deinem Kind und in den Beckenboden fließen lässt. Dann atmest du ruhig und vor allem l a n g s a m aus. Die Ausatmung sollte länger als die Einatmung dauern. Wenn du möchtest, kannst du innerlich bei der Einatmung bis 4 zählen und bei der verlängerten Ausatmung (über Mund oder Nase, wie du magst) bis 6. Halte den Atem zwischendurch nicht an, lass ihn fließen.

 

  • Visualisierung. Je nachdem, wie geübt du schon in der aktiven An- und Entspannung und dem bewussten Atmen bist, reicht das Mantra „Ich lasse mein Gesäß schwer auf die Unterlage sinken und lasse los.“ und das 4/6 zählen  aus, um deine Gedanken und deinen Geist zu beschäftigen und im Hier und Jetzt zu sein. Bist du darin schon gut geübt, kannst du visualisieren, was du dir wünschst. Dazu lässt du vor deinem inneren Auge ein Bild von deinem Becken und deinem Kind entstehen. Du stellst dir vor, wie das Gewebe in deinem Beckenraum weit und weich ist, damit dein Kind gut hindurch kommt. Du stellst dir vor, wie sich dein Kind elegant und selbstverständlich in die richtige Richtung bewegt und genau weiß, was es wann tun muss.

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit Pacura Med entstanden- vielen Dank für eure Unterstützung!

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