mütt-gefühl=mütt(erliches)-(Mit)gefühl

(Es  folgen Herzenszeilen. Roh und ohne Korrektur. Von meinem Mutterherz an deins.)

 

Als ich neulich beim Abholen meines Kindergartenkindes in Begleitung meines wilden Kleinkindes (eine atemberaubende Energiemischung ) tapfer versuchte Nerven zu bewahren und ganz kurz davor stand zu platzen, sah ich plötzlich in Pias Gesicht. Zwischen all dem Gewusel der müden und aufgedrehten Kindergartenkinder,  sah sie mir in die Augen und sagte: „Ich weiß genau wie du dich gerade fühlst. Ich kann nichts für dich tun, außer dir zu sagen, dass ich weiß, wie es dir geht. Da helfen nur Ohrenstöpsel und Schokolade. Viel Schokolade.“ Mir schossen die Tränen in die Augen und antworten konnte ich nicht, der Moment war schon vorbei- herumwirbelnde Kinder forderten unsere Aufmerksamkeit.

Dieser kurze Moment, in dem ich gesehen wurde. In all dem Trubel. Gesehen von meiner Bekannten, die sich mir zuwandte und nur diese wenigen Sätze sagte, er veränderte alles an diesem Tag. Ich fühlte mich nicht mehr so allein mit meinem dünnen Nervenkostüm. Nicht mehr so viel schwächer als „all die anderen Mütter“, die voller Gelassenheit ihre Kinder begleiteten. Ich konnte mir erlauben dazu zu stehen, dass dies nicht mein Tag war und ich einfach erschöpft. Denn damit war ich nicht allein. Pia hatte auch solche Tage. Und Pia ist eine Mutter, die ich sehr bewundere (wie eigentlich jede Mutter, die ich kenne) und von der ich auch nur im geringsten etwas schlechtes denken würde, selbst wenn sie vor meinen Augen die Nerven verlieren würde. Im Gegenteil. Ich würde sie so gut verstehen. Ich würde versuchen sie in diesem Moment so gut es ginge zu entlasten und ihr helfen sich wieder zu sammeln. Also sollte ich es auch mit mir selbst tun. Freundlich und verständnisvoll sein. Es fiel mir so viel leichter nachdem Pia mir ihr Mitgefühl ausgesprochen hatte. Und das, obwohl ich natürlich auch davor rein rational  genau wusste, dass andere Mütter diese Momente der Überforderung  kennen und dass jede Mutter mal die Nerven verliert. Rein Rational hat mich das aber nicht entlastet.

Dieses direkte Mitgefühl anderer Mütter ist durch rationales Wissen nicht zu ersetzen. Das ließ mich auch eine andere Bekannte wissen, mit der ich kurz darauf einige (Sprach-) Nachrichten austauschte, sie schrieb mir: „Als ich deine Worte hörte, kam mir übrigens spontan eine Wortschöpfung in den Sinn:

Mütt-Gefühl.  Mitgefühl für Mütter. Von Müttern. Der Balsam für Mamaherzen. „

Und das beschreibt es so gut. Diese Wohltat, die dieses Mitgefühl anderer Mütter auf unser eigenes Mutterherz hat.

Darum möchte ich dich (und mich) an einige Dinge erinnern, die wir im Alltag so oft vergessen:

  1. Du bist wertvoll- ganz egal wie dünn dein Nervenkostüm ist und wie groß deine Erschöpfung ist.
  2. Du bist die beste Mutter für deine Kinder. Die BESTE. Auch wenn du Tage oder Phasen hast, in denen deine Kraft und Energie, deine Geduld und deine Achtsamkeit eher nicht so sehr spürbar sind. Du bist ein Mensch und das ist ganz menschlich.
  3. Wichtig ist, dass du diese Gefühle zulässt und als Anlass nimmst dir zu überlegen, welche Unterstützung du brauchst, damit du zurück in deine Kraft kommen kannst.
  4. Du bist nicht allein. Viele Mütter kennen diese Zeiten der Erschöpfung und der (Über-)Forderung . Wie weiter oben schon geschrieben, ist dieses rationale Wissen nur bedingt hilfreich. Deshalb solltest du dich
  5. mit anderen Mütter zusammentun und dich ihnen offen und ehrlich anvertrauen. Gegenseitiges Mitgefühl, also Mütt-Gefühl, ist so kostbar und wird dir Kraft geben.

 

YOU   ARE   E N O U G H .

Mit Nervenzusammenbrüchen und Augenringen. Mit dünnem Nervenkostüm und Tränen in den Augen.

Nicht mehr und nicht weniger.

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