Viele Mütter genießen das Tragen ihrer Kleinkinder  im Tragetuch oder der Tragehilfe sehr. Auch über das Babyalter hinaus lassen sich Kinder gerne vor dem Herzen der Mutter oder auf dem Rücken Tragen. Es ist für sie nicht nur eine wunderbare Form „transportiert“ zu werden, sondern es ist auch ein Ort der Nähe und Geborgenheit und die Kinder genießen kurze oder längere Phasen so dicht bei der Mutter (oder natürlich auch dem Vater) sehr. Zum Glück muss damit auch in einer nächsten Schwangerschaft nicht aufgehört werden.

Vor kurzem hatte ich zusammen mit Steffi, einer Trageberaterin, schone einmal dazu etwas geschrieben (bitte hier entlang).

Heute berichtet Maria Herzog von ihren Erfahrungen als schwangere Mutter, die ihr Kleinkind die ganze zweite Schwangerschaft über weiter getragen hat. Und Maria ist eine echte Expertin, in Sachen Tragetuchbinden und Möglichkeiten des Tragens. Aber lest doch bitte selbst:

 

 

Liebe Maria, stell dich und deine Arbeit doch einfach kurz mal vor:

Ich bin Maria, Mama von zwei Jungs (1 und 4 Jahre alt) und arbeite als Fotografin. Ich habe mich in den letzten Jahren immer mehr darauf spezialisiert, Familien abzulichten und vor allem auch das Tragen von Kindern in den Fokus meiner Arbeit zu rücken. Zusammen mit meinem Mann, der ebenfalls Fotograf ist, fotografieren wir für viele Tragetuchhersteller und betreiben den Blog „The Dukes – Babywearingphotography“. Unseren Kleinsten habe ich beim Arbeiten meist dabei, nicht selten auf dem Rücken 😉

 

Ihr tragt eure Kinder viel und häufig. Erzähl doch mal, wie das bei euch so läuft:

 Seit seiner Geburt war unser großer Sohn jeden Tag im Tuch. Wir liebten und genossen das Tragen und als ich wieder schwanger war, wollten wir damit natürlich nicht aufhören. Zu dem Zeitpunkt war er etwas älter als zwei Jahre, lief nicht gern und brauchte aufgrund seiner Hochsensibilität viel Körperkontakt.

 

Und wie hast du dann das Tragen in der Schwangerschaft erlebt?

Grundsätzlich hatte ich keine Probleme damit. Mein Körper war es gewohnt, das zusätzliche Gewicht zu stemmen und unser großer Sohn ist zum Glück auch sehr leicht. Im fünften Schwangerschatsmonat habe ich dann recht schnell an Gewicht zugenommen und auch der Bauch wuchs immer schneller, sodass ich es nicht mehr ganz so einfach war…

Schnell merkte ich, dass ich keine Rückentrageweise nutzen kann, die auf den Bauch drückt, wie etwa der Knoten vom einfachen Rucksack.

 

Was hat dir da geholfen und welche Bindeweise des Tragetuchs würdest du anderen Schwangeren an Erfahrungswissen empfehlen?

Verschiedene Finishes halfen hier, den Druck zu nehmen. So empfinde ich zum Beispiel – auch ohne dicken Bauch – den Candy Cane Chest Belt als sehr angenehm. Hier werden nicht beide Schulterstränge unter dem Po gekreuzt, sondern nur ein Strang verläuft unter dem Po und wird dann über der Brust mit dem anderen verzwirbelt. Des hält außerdem die beiden Schulterstränge zusammen und verhindert das herunterrutschen.

Eine andere Möglichkeit wäre die tibatanische (oder tibetische, ich kann mir nie merken, wie es richtig heißt) Bindeweise. Hier wird nach dem Kreuzen unter dem Po nicht vorne geknotet sondern über der Brust aufgefächert und unter die Schulterstränge geschoben. Bei YouTube gibt es zahlreiche Tutorials und vor allem Hedwych von Wrap You In Love hat hierfür viele tolle Videos gemacht.

 

Wenn einem der einfache Rucksack nicht mehr ausreicht für das große Kind, dann kann man in der Schwangerschaft auch gut den Double Hammock binden. Hierbei führen zwei Tuchbahnen über den kindlichen Rücken und nehmen mehr Gewicht von den Schultern. Der Candy Cane Chest Belt ist auch hierbei ein toller Abschluss.

 

Hui, das klingt für viele nicht so versierte Tragemamas bestimmt ganz schön verrück. Hast du einen Tip für Mütter, die sich eine etwas einfachere Variante ohne langes Tragetuch wünschen? 

 Wer keine Lust auf lange Tücher hat, wird vielleicht mit dem RingSling glücklich. Das einseitige  Tragen auf einer Hüfte kann für manchen Rücken nicht die richtige Lösung sein aber Probieren geht über studieren. Ich habe immer gern im Ring Sling getragen und die Kinderbeine passten hierbei immer perfekt am Bauch vorbei. Das schöne am Ring Sling ist, dass man die gleiche Perspektive mit dem Kind teilt und man sich wunderbar über alles unterhalten und trotzdem kuscheln kann.

 

Was kannst du raten, wenn die Mutter lieber eine Tragehilfe benutzen möchte?

 Wem das immer noch zu viel Binden ist, sollte einen Blick auf den Onbuhimo werfen. Dies ist eine fertig genähte Tragehilfe ohne Hüftgurt. Deshalb ist dies auch eine tolle Variante während der Schwangerschaft, da es keinen Druck auf den Bauch gibt. Allerdings lastet somit das gesamte Gewicht des Kindes auf den Schultern, weshalb ich persönlich den Onbu nur für kurze Strecken nutze. Aber grad mit großen Kindern, die vielleicht zu müde sind für den Weg vom Spielplatz nach Hause oder mit denen man nur schnell dramafrei etwas einkaufen will, ist der Onbu eine gute Wahl.

 

Was würdest du anderen Schwangeren aus deinem Erfahrungsschatz ganz grundsätzlich zum Tragen in der Schwangerschaft mitgeben?

Grundsätzlich gilt beim Tragen in der Schwangerschaft all das, was sonst auch gilt: höre auf deinen Körper. Du merkst es, wenn zu viel ist, wenn die Belastung zu groß ist. Aber dafür musst du in dich hineinhorchen und achtsam sein. Ich hatte auch Tage, in denen ich gemerkt habe, dass ich zu viel getragen habe, dann hat der Papa mal das In-Den-Schlaf-Tragen übernommen. Somit konnten die beiden auch noch einmal ihre Bindung vertiefen, bevor das neue Familienmitglied alles noch einmal durcheinander wirbelte.

Du kannst immer das tun, was dir gut tut. So ich hab ich unseren Großen bis zum Tag der Geburt des kleinen Bruders auch noch vorne in der Wickelkreuztrage getragen. Immer nur kurz für ein paar Minuten, um den Tank an Nähe wieder aufzufüllen und eben auch sehr hoch gebunden, sodass aus der Kopfkusshöhe eine Nasenkusshöhe wurde. Aber es war okay und mir haben diese kurzen Momente auch geholfen, uns wieder zu erden und uns daran zu erinnern, was für eine tolle Zeit wir bisher durch das Tragen hatten. Beide Kinder wachsen ohne einen Kinderwagen auf, weshalb das Tragen täglich einen ganz wichtigen Punkt in unserem Alltag einnimmt. Dadurch ist mein Körper auch trainiert und mein Rücken ist es gewohnt, zu tragen. Wer bisher eher selten das Tuch oder eine Trage genutzt hat, sollte vielleicht nicht während der Schwangerschaft plötzlich anfangen lange Strecken zu stemmen. Langsam anfangen, stetig trainieren, auf den Körper hören. Und dann könnt ihr vielleicht, so wie wir, noch ein paar Kuschelmomente mit dem großen und eigentlich noch so kleinen Kind genießen.

Liebe Maria, vielen Dank für deine Worte und die wunderschönen Bilder. Alles Gute für euch!

Teilen: