Letztes Jahr entdeckte ich auf einem Straßenfest einen wundervollen kleinen Stand, der mich sofort ansprach. Alles, was ich auf den ersten Blick sah, gefiel mir so gut, dass ich am liebsten gesagt hätte: „Alles einmal zum Mitnehmen einpacken bitte!“. Ich blieb eine Weile und sah mir die Dinge genauer an. Einiges musste ich in die Hände nehmen – so schön, so liebevoll. So wertvoll. Alles von Hand hergestellt, alles für Kinder. Von sinnvoller (!) Kleidung über Spielzeug, Decken und Tücher gab es alles, was es so im Kinderzimmer zu finden gibt. Wunderschönste Stoffe, Wolle, Leinen und Baumwolle. In den ruhigsten und harmonischsten Farbtönen, die man sich vorstellen kann. Hinter dem Stand steckte Mirella. Und ihre kleine, (zauberhafte) Manufaktur Wollleibchen.

Also gut, ihr merkt schon, ich bin begeistert. Und das vom ersten Moment an. Nun musste ich unweigerlich an Mirella denken, als ich mein Projekt wenigerundwertvoll ins Leben gerufen habe. Mirella zögerte nicht lange und lud mich zu ihr in die Werkstatt ein. Dort hat sie mir gezeigt, wo sie all die schönen Dinge erschafft, und ich durfte mich umschauen und entdeckte weitere Sachen, die ich noch nicht kannte. Zum Beispiel die kleinen Wollschühchen mit den Bommeln. Wir haben uns über ihre Arbeit unterhalten und ich durfte Fotos machen. Als ich sie nach einer DIY Anleitung fragte, hatte sie gleich eine Idde: eine Fingerpuppenmaus. Ich konnte es mir nicht recht vorstellen, da zauberte sie ein Stückchen Stoff hervor und ehe ich mich versah, hatte sie eine kleine Maus zum Leben erweckt. Zum Glück konnte ich das Ganze in ein paar Bildern einfangen. Wenn ihr mögt, schreibe ich euch dazu noch die Anleitung auf. Sie ist wirklich super schnell zu basteln.

Nun aber zu Mirella. Sie hat mir im Sinne des Projektes #wenigerundwertvoll auch ein paar Fragen beantwortet.

Stell dich und deine Arbeit doch bitte einmal vor!
Mein Label für Kindertextilien „Wollleibchen“ ist aus dem Willen zum Schaffen, zur Kreativität und zur Nützlichkeit entstanden. Es gibt mir ein wunderbares Gefühl, aus einem Bündel Material und Stoff etwas Funktionales entstehen zu lassen, das zeitlos, bequem und mit Detailliebe entstanden ist und den Besitzer spüren lässt, etwas Wertiges in Händen zu halten. Im Bereich der Textilien für Kinder stößt man bei diesem Thema schneller auf Verständnis, denn der Schutz der Kleinen ist für Eltern prioritär. Im Jungel der Angebote beruhigt es den Kunden, am Herstellungsverfahren möglichst nahe dran sein und sich mit dem Produzenten direkt und unproblematisch unterhalten zu können, sich einen Überblick zu verschaffen und damit einen direkten Draht zum Erschaffungsprozess zu haben. Ich versuche mich an den Bedürfnissen der Kinder und Eltern zu orientieren. Geschmäcker sind generell sehr verschieden. Der einzige Weg zu einer stimmigen Produktlinie ist daher, sich selbst und dem eigenen Stil treu zu bleiben. Das Besondere an meinen Kreationen ist die Möglichkeit der Mitgestaltung. Das Einbringen eigener Ideen und Sonderwünsche ist nicht nur möglich, sondern willkommen. Daher ist meine Werkstatt zugleich Showroom. Jeden Montag von 10 Uhr bis 16 Uhr kann man sich hier in der Herlingsburg in Ruhe umsehen, bei einem Tee ein individuelles Beratungsgespräch genießen und Einblicke in die Produktion erhalten. Und wer montags nicht kann, dem öffne ich nach Vereinbarung auch gerne an anderen Tagen die Türen.


Wie bist du dazu gekommen deine Manufaktur ins Leben zu rufen?
Eine Geschichte, wie sie oft erzählt wird: Ich habe eine Vernunftentscheidung gegen eine Herzensentscheidung eingetauscht. Etwas handwerklich kreativ zusammenzufügen und dadurch Besonderes entstehen zu lassen, sollte mein berufliches Leben prägen. So viel war klar, als ich in einer Zeitschrift über das Studium zur Bekleidungstechnikerin las. Vom Eifer gepackt warf ich kurzerhand meinen Job in einer Bank hin und zog nach Hamburg. Hier schloss ich jenes Studium erfolgreich ab und gründete mit dem Diplom in der Tasche meine erste Modewerkstatt in Eimsbüttel. Noch war allerdings nicht abzusehen, dass dies der Stups war, den der berühmte Stein benötigte, um in Richtung Wollleibchen zu rollen. Zunächst pausierte ich, um eine Familie zu gründen, begleitet von einer weiteren Ausbildung zur Druckvorlagenherstellerin/Reproretuscheurin. Weil ich einer Freundin aus der Klemme helfen wollte, die für ihr Kinderbekleidungsgeschäft zu wenig Ware für den Winter geordert hatte, sprang ich ein und schuf die erste kleine Wollleibchenkollektion aus Mützen, Leibchen, Jacken, Hosen, Kleidern, Overalls und Puschen. Die Vermarktungsmöglichkeit des Onlineverkaufs war damals ganz neu und barg für mich als dreifache Mutter genau die richtigen Freiheiten. Und heute feiert Wollleibchen inzwischen schon zwölfjähriges Jubiläum mit einer eigenen Werkstatt im Herzen Hamburgs.

 

Was ist dein Lieblingsprodukt?
Ein besonders individuelles Eigenleben entwickeln im Entstehungsprozess immer die Rollmöpse, Kieler Sprotten, Flundern und Doraden. Die Fische sind nicht nur ein haptisches Erlebnis, sondern erhalten durch die Gestaltung, beispielsweise der Augen, Persönlichkeit. Jeder Gesichtsausdruck ist ein anderer. An dieser Stelle macht das Schaffen besonders viel Freude und bringt mich nicht selten zum Lachen. Das merken auch meine Kunden und kaufen ein Schmunzeln mit dem Tier gleich mit.

 


Was bedeutet Nachhaltigkeit für dich und warum ist es für dich wichtig?
Nachhaltigkeit ist ein Gefühl. Es ist das Gefühl, etwas in Händen zu halten, das taugt. Es ist das schöne Empfinden, dass etwas von Wert ist, man lange seine Freude daran haben wird, man sich
nicht um Giftstoffe und die Umstände der Herstellung sorgen muss. Es beginnt bei der Wahl der Materialien, zieht sich über die Geduld und Genauigkeit, die in das Verarbeitungsverfahren investiert wird und findet sich auch im letzten Detail noch wieder. So nutze ich als Verpackungsmaterial gebrauchte Kartonagen. Stoffreste werden gesammelt und an kreative Kollegen, Schulklassen oder auch Kinderbastelgruppen verschenkt. Kinderkleidung sollte nicht nur robust und haltbar sein, sondern auch mitwachsen und so durch seine Langlebigkeit und zeitloses Design nachhaltig bleiben. Auf diese Weise werden Ressourcen geschont, Gegenstände wertvoller gemacht und der Wegwerfgesellschaft entgegengearbeitet. Im Durcheinander der heutigen Textilproduktion können nur kleine Labels, die lokal produzieren, einen direkten Blick in die Produktion ermöglichen. Sie sparen sich nicht nur den energieverschwendenden, umweltbelastenden Vermarktungsapparat und mit ihm die tausenden Schnittstellen an denen Kommunikation schief gehen kann, Interessen aufeinander stoßen und Undurchsichtigkeit entsteht. Sie stärken das Zwischenmenschliche, das dem Handel in unserer durchindustrialisierten Welt völlig abhanden gekommen ist und bewegen sich weg von einer anonymisierten Welt, in der jeder nur in seiner eigenen individuellen Seifenblase herumwabert.

Was assozierst du mit dem #wenigundwertvoll?
Wer ohne großen Aufwand ständig und überall immer wieder neue Produkte erwirbt, wird den Wert eines Gegenstandes vermutlich nicht mehr ganz erfassen können. Es entstehen kaum noch Dinge, die dazu taugen, gepflegt, bewahrt und vielleicht sogar vererbt zu werden. Kleidungsstücke die so lieb gewonnen wurden, dass sie repariert werden, weil sie materiell gut ausgearbeitet sind und ihr Design das Herz bewegt, sind genau das: wertvoll. Der Käufer spürt, wie viel Kreativität, handwerkliches Geschick und Energie in das Produkt geflossen ist. Er erhält ein Unikat, etwas Individuelles, etwas nur für sich. An dieser Stelle greifen die berühmten Sprichwörter: Weniger ist mehr. Und: Viel hilft nicht viel. Daraus kann man ein Glücksgefühl, eine Befriedigung ziehen, die Massenware nicht fähig ist zu erzeugen.


GIVEAWAY

Mirella möchte gerne eine Mütze an euch verlosen. Und zwar eine Beanie. Denn eine Beanie kann doch jedes Kind gebrauchen! Die Gewinnerin kann sich natürlich die Farbe und die Größe aussuchen.

Wer gewinnen mag, hinterlässt einfach einen Kommentar. Wieder sind alle eingeladen das Gewinnspiel und auch diesen Artikel zu teilen und der Welt von dieser wundervollen Manufaktur zu erzählen. #Teamwenigerundwertvoll

Wer gewonnen hat, geben wir hier im Kommentarbereich am 29.April bekannt, die Gewinnerin hat dann 14 Tage Zeit sich zu melden, andernfalls verfällt der Gewinn und das Los entscheidet neu. Die Teilnehmer müssen volljährig sein, eine Barauszahlung ist nicht möglich.

Insgesamt kann jeder 2 Lose für das Gewinnspiel nutzen. Eines hier auf dem Blog und einen auf dem Instagramaccount von Hebammezauberschoen. Dazu folge bitte dem Profil von @wolleibchen und kommentiere dort unter dem richtigen Bild. In jedem Fall muss hier auf dem Blog ein Kommentar hinterlassen werden. Falls du auf Instagram deine zwei weiteren Lose nutzen möchtest, schreibe in deinen Kommentar hier auf dem Blog unbedingt deinen IG Namen, damit wir dich zuordnen können.

Viel Freude!

Zum Schluss wünsche ich mir auch für Mirella eine Welle an Koplimenten und wertschätzenden Worten. Wie alle Menschen, die ihrem Herzen folgen wird auch sie sich freuen, wenn ihre Arbeit gesehen und gewertschätzt wird. Am besten natürlich dadurch, dass wir alle eine große Bestellung bei ihr aufgeben – ich habe meine direkt vor Ort aufgegeben, auch dazu seid ihr eingeladen! Besucht Mirella (nach Absprache) doch mal in ihrer wundervollen Werkstatt!

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