Nachdem mein Artikel “Über das Schreienlassen und das Begleiten eines schreienden Babys” soviele bewegt hat, habe ich mich einem dazugehörigen Unterthema gewidmet. Nämlich dem Bauchweh bei Babys. In manchen Zusammenhängen wird von den berühmt berüchtigten “Dreimonatskoliken” gesprochen, manchmal von Blähungen. Ganz egal, welchen Namen wir dem Ganzen geben: für uns Eltern ist es furchtbar das (vermeidliche) Leid des Kindes mit zu erleben. Aber es gibt einiges, was helfen kann.

 

„Ich wünschte, ich könnte meinem Kind die Bauchschmerzen abnehmen. Lieber würde ich selbst die Schmerzen ertragen, als mein Kind so zu erleben.“ Verzweifeltes Weinen, ein hochroter Kopf, die Beinchen an den Körper gezogen. Das kennen viele Eltern und erleben es als echte Qual. Wenn das Baby Bauchweh hat.

 

Entspannen – auch wenn es schwerfällt

Es scheint fast ein bisschen zu dem Leben als Baby dazuzugehören: das Ziepen und Drücken im Bauch. Und es gehört in das Leben von uns Eltern, damit umzugehen, auch wenn wir unserem Kind die Bauchschmerzen nicht abnehmen können. So schwer es auch scheinen mag – es gibt Möglichkeiten, die Situation für alle Beteiligten zu entspannen – denn es leidet ja nicht nur das Kind, sondern auch die Eltern.

Oft ist es gar nicht sofort erkennbar, warum das Baby weint. Plötzlich fängt es einfach an zu weinen, steigert sich immer mehr hinein und bekommt dann einen hochroten Kopf und pupst. Möglicherweise hat es Bauchweh. Vielleicht auch nicht. So ganz sicher weiß man es nie. Die Kleinen können es ja leider nicht sagen. In dieser Situation hilft es am meisten, das Leid des Kindes erst einmal anzunehmen und ernstzunehmen. Denn letztlich ist es ganz gleich, ob es Bauchweh, Herzschmerz oder ein allgemeiner Ausdruck von Unwohlsein ist. Das Ziel ist das gleiche: eine Verbesserung der Situation des Kindes. Nun hilft das Baby-Wohlfühl-Programm:

Baby-Wohlfühl-Programm

Am allermeisten braucht das Kind jetzt eins: eine Mama oder einen Papa, die ihm vermittelt, dass alles ok ist. Ob es Bauchschmerzen sind oder nicht, das was nun wirklich hilft, sind beruhigende Worte, sanfte Hände, die Sicherheit und Halt vermitteln, und die Gewissheit, dass alles gut ist.

Als Eltern müssen wir uns also erst einmal selbst beruhigen und uns sagen: „Alles ist gut, das Baby weint jetzt, aber es wird sich auch wieder beruhigen. Ganz bestimmt.“ Das fällt oft sehr schwer, aber diese Überzeugung und Ruhe, die von uns Eltern ausgeht, ist der Grundstein für die Verbesserung beim Kind. Und dann können wir mit Ruhe anfangen mögliche Gründe für das Unwohlsein zu überprüfen und Abhilfe zu schaffen. Ganz ohne Hast und Eile. Folgende Fragen helfen dabei:

  • Ist deinem Kind gerade einfach alles zu viel? Dann ziehe dich mit dem Baby an einen ruhigen Ort zurück , schalte Fernseher, Radio und Musik aus, dimme das Licht, sorge für frische Luft.
  • Hat das Baby Hunger? Dabei brauchst du nicht auf die Uhr sehen. Wenn dein Baby jetzt etwas trinken möchte, stille es oder gib ihm das Fläschchen.
  • Könnte es sein, dass deinem Kind zu warm oder zu kalt ist? Fühle dazu mit den Fingern im Nacken des Babys. Ist es hier schwitzig feucht, ist dem Kind zu warm und es muss ausgezogen werden. Ist es hier eher kühl, zieh es wärmer an.
  • Braucht das Baby eine frische Windel? Dann wickle es in Ruhe.
  • Ist das Baby müde? Manchmal finden die Babys so schwer in den Schlaf, dass sie es nur mit unserer Hilfe schaffen. Dann hilft es den meisten Kindern, im Tragetuch oder der Trage getragen zu werden; oft geht es am allerbesten an der frischen Luft. Gut ist auch, das Kind auf einem großen Gymnastikball über die Schulter schauend zu wippen oder es in der Federwiege zu wiegen. Je nachdem wie aufgebracht das Baby ist, kann es einige Minuten dauern, bis es unter diesen Maßnahmen zur Ruhe findet und sich beruhigt. Das ist okay. Es ist gut, das ein paar Minuten mit dem Baby auszuhalten.

Wenn du diese Punkte überprüft hast, kannst du nun ein paar Maßnahmen speziell gegen Bauchschmerzen ausprobieren.

Wichtig dabei ist, weiterhin ruhig und zuversichtlich zu bleiben. Das Verhalten des Kindes versetzt uns Eltern ganz automatisch in einen Stresszustand, doch allen ist geholfen, wenn wir uns selbst zur Ruhe zwingen. Blinder Aktionismus stresst das Kind mehr als alles andere. Anstatt nun 100 verschiedene Maßnahmen zu ergreifen, um Herr über das Bauchweh zu werden, empfehle ich, maximal zwei Maßnahmen zu ergreifen und dann erst einmal wieder Ruhe hineinzubringen.

Spezielle Maßnahmen bei Bauchweh

  • Bauchmassage mit Babyöl: hierbei wird Babys Bäuchlein mit den Fingerspitzen von Zeige-, Mittel-, und Ringfinger im Uhrzeigersinn (das ist sehr wichtig!)um den Bauchnabel herum massiert. Massieren bedeutet hier, dass ein leichter Druck ausgeübt wird. Am besten geht es mit ein paar Tropfen Öl auf dem Bäuchlein.
  • Das Bäuchlein einreiben, zum Beispiel mit speziellem Kümmelöl oder Kümmelsalben.
  • Das Baby in den Fliegergriff Dabei liegt das Baby auf dem Unterarm, der Kopf wird gestützt. Hierbei wird der Bauch sanft massiert und durch die Körperwärme der Eltern gewärmt.
  • Gymnastikübungen für das Bäuchlein. Lege dein Baby dazu auf den Rücken vor dich, zum Beispiel auf dem Wickeltisch. Dann nimmst du seine Füßchen in die Hände und winkelst die Beine an und schiebst sie ganz sanft in Richtung seines Bauches. Sollte dein Baby mit Druck gegen diese Bewegung halten, übergehe diesen Druck bitte nicht und warte einen Moment ab, ob du weitermachen kannst oder dein Baby dir damit signalisiert, dass dies gerade nicht das Richtige ist.
  • Wärme für das Bäuchlein: Gut eignen sich Wärmekissen, zum Beispiel Körner- oder Kirschkernkissen, die auf Körpertemperatur erwärmt wurden. (Bitte unbedingt auf die richtige Erwärmung (bitte Produktbeschreibung beachten) achten, auf keinen Fall zu warme Kissen verwenden!) Aber auch eine wärmende Hand auf dem Bauch kann schon helfen.
  • Das Baby abhalten: Oft leiden Kinder darunter, dass es ihnen schwer fällt Stuhlgang ab zu setzen. Dann liegen sie da und krümmen sich und strengen sich redlich an. Aber es will einfach nicht gelingen. Dann kann es sehr gut helfen, das Kind über dem Waschbecken, der Toilette oder einer Schüssel ab zu halten. Das bedeutet, dass das Kind so aufrecht gehalten wird, dass die Beine vor dem Bauch angewinkelt sind, so dass es leichter drücken kann und Stuhl absetzen kann. 

So gerne würde ich an dieser Stelle schreiben: Wenn das alles erledigt ist, sollte das Kind keine Bauchschmerzen mehr haben und weint sicher nicht mehr. Aber so ist es leider nicht. Es gibt nicht das eine Rezept für ein Bauchweh-freies, zufriedenes Kind. An manchen Tagen ist kein Kraut gegen das Bauchweh gewachsen und kein Trick geeignet das Kind zu beruhigen. Wenn du für dich ausschließen kannst, dass dein Kind unerfüllte körperliche Bedürfnisse wie zum Beispiel Stillung des Hungers oder Schlaf hat, und du auch ausschließen kannst, dass es krank ist, dann akzeptiere das Weinen. Babys dürfen und müssen manchmal weinen. Lass dein Baby aber nicht allein. Sei ganz bei ihm, halte es und versichere ihm, dass es besser wird.

(Wenn du das Gefühl hast, dass bei deinem Kind ein gesundheitliches Problem vorliegt oder es medizinische Hilfe braucht, zögere bitte nicht deine Hebamme oder einen Kinderarzt zu Rate zu ziehen! Das ist zwar in den seltensten Fällen so, aber manchmal ist es doch notwendig.)

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