Ein Thema, das für mich eigentlich kein Thema ist. Weil es selbstverständlich ist. Sinnvoll. Praktikabel. Gesund.

Doch immer wieder kommt mir zu Ohren, dass es Menschen gibt, die das anders sehen. Die daran etwas Anstößiges sehen. Die daran etwas Beschämendes sehen. Ja, sogar von Menschen, die stillende Frauen in der Öffentlichkeit dafür kritisieren oder gar angreifen. Wenn ich daran denke, bekomme ich eine Gänsehaut.

Definition vom Stillen

Ich versuche es mal ganz neutral zu beschreiben. Zu versuchen es jemandem zu erklären, der das Stillen in der Öffentlichkeit nicht als Selbstverständlichkeit sieht. Einfach, weil ich glaube, dass viele Konflikte durch Unwissenheit, mangelhafte Empathie und fehlende Kommunikation entstehen.

Über das Stillen: Stillen ist die Erfüllung mehrerer  lebensnotwendigen Grundbedürfnissen eines Babys/Kleinkindes. Muttermilch ist das einzige und damit gesündeste, natürliche Nahrungsmittel für Säuglinge. Nichts auf der Welt kann die Muttermilch äquivalent ersetzen. Zudem wird das menschliche Grundbedürfnis an Nähe und Geborgenheit gestillt. Mütter die Stillen, tun dies aus dem Antrieb die Gesundheit ihrer Kinder zu erhalten und zu fördern und ihre Bedürfnisse kindgerecht und natürlich zu stillen. Sie sind dafür bereit einige Strapazen (wie etwa Schmerzen, eingeschränkte Flexibilität und andere) auf sich zu nehmen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Säuglinge die ersten 6 Lebensmonate ausschließlich zu stillen. Dies bedeutet den Verzicht an Fläschchen, Brei und allem anderen. Eine Frau, die Mutter eines Säuglings ist, hat natürlich alle Rechte am öffentlichen und sozialen Leben teil zu nehmen, wie alle andere. Wenn sie sich dafür entscheidet, ihr Kind zu stillen, tut sie das natürlich auch während sie an dem Leben in der Öffentlichkeit teilnimmt. Eine Stillende verfolgt dabei üblicher Weise keine politischen Ziele und versucht nicht religiöse oder sexuelle zu provozieren.

Beim Stillen geht es (auch in der Öffentlichkeit) um die Mutter und das Kind. Ausschließlich. Es ist eine Privatangelegenheit, die niemanden sonst tangiert. Weder den Cafebesitzer, die Busfahrerin noch einen Glaubensbruder einer bestimmten Religion, der sich in der Nähe aufhält. Vorausgesetzt, die Stillende verhält sich situationsangemessen. Davon gehe ich im Regelfall aus, doch auch dies liegt letztendlich im persönlichen Ermessen. Diskretes Stillen, ohne das die nackte Brust für andere sichtbar ist, ist durchaus möglich auch ohne sich unter Schals oder Tüchern oder abgeschiedenen Orten zurück zu ziehen.

Wie das diskrete Stillen in der Öffentlichkeit funktionieren kann

Das A und O für unkompliziertes Stillen ist die geeignete Kleidung der Stillenden. Denn das Problem mit „üblicher“ Kleidung beim Stillen ist folgendes: Wird die Bluse aufgeknöpft oder der Ausschnitt des Shirts unter die Brust gezogen, um das Kind an zu legen, liegt die gesamte Brust und das Dekoltee frei. Es ist also sehr viel Haut unbedeckt. Ein Schal kann Abhilfe schaffen, ist aber oft ein ganz schönes Gewurschtel. Wird das Shirt einfach hoch gezogen, über die Brust, ist der Bauch, der Rücken und die Flanken unbedeckt. Luftzugug kann hier sehr unangenehm sein. Und manche Frauen empfinden es als unangenehm viel Haut in der Öffentlichkeit zu zeigen.

Es gibt spezielle Stillkleidung, die das ungewollte Entblößen von Haut verhindert. Blusen, Shirts, BH und so weiter. Doch viele Frauen möchten nicht den gesamten Inhalt ihre Kleiderschrankes gegen spezielle Stillkleidung auswechseln.

Doch auch mit üblichen, „nicht-stilltauglichen“ Klamotten ist diskretes Stillen möglich. (Wenn es von der Stillenden gewünscht ist!) Die richtige Kombination macht es möglich: Ein Still-BH, ein übliches Trägershirt (weit ausgeschnitten oder mit flexiblen Träger) und darüber das Oberteil der Wahl. Shirt, Pullover, Bluse. So kann beim Anlegen die oberste Kleidungsschicht (z.B. der Pullover) hoch geschoben werden, das Trägershirt heruntergezogen und der Still-BH geöffnet werden. So sind Bauch Rücken und Flanken von dem Trägershirt bedeckt, die Brust und das Dekoltee von dem Pullover. Der Teil der Brust, der nicht von Kleidung bedeckt ist, wird von dem Mund bzw dem Köpfchen des Kindes bedeckt. Dockt das Kind (unerwartet) ab, kann die obere Kleidungsschicht mit einer Handbewegung heruntergezogen werden und die Stillende sitzt nicht unbekleidet da. Unter der obersten Kleidungsschicht kann die Mutter dann ganz entspannt wieder alles richten. Den Still-BH schließen, die Stilleinlage einlegen, das Trägershirt hoch ziehen. Alles mit einer Hand möglich.

Einige persönliche Zeilen über das Stillen in der Öffentlichkeit

Ich möchte dir von meiner ganz persönlichen, ersten Stillgeschichte erzählen. Mit einem Text den ich vor fast zwei Jahren auf Instagram geschrieben habe und einige Herzen erreichte.

„{Stillgeschichte}
Unsere Stillgeschichte.
Der Anfang war schwer. Schmerzhaft und hart.
Und dann ganz leicht.
So praktisch und so wunderbar.
Ich habe dich überall gestillt.
Zuhause. Auf dem Sofa, im Bett, auf dem Boden und in der Badewanne.
Und unterwegs.
In der Bahn, im Bus, im Auto.
Am Strand, im Schwimmbad, auf einem Konzert und im Restaurant.
Im Supermarkt, im Baumarkt, beim Möbelschweden in der Lampenabteilung.
Und ich habe nur ein einziges Mal einem anderen Menschen gefragt, ob das okay sei. Und mir danach geschworen, nie wieder jemanden zu fragen.
Ich habe dich gestillt wann immer du es brauchtest.
Und ich habe es geliebt. Und verflucht.
Doch niemals möchte ich diese stillen Momente missen. Niemals habe ich es bereut, mich niemals geschämt.
So innig, so voll Liebe waren viele dieser Momente. „

Inzwischen stille ich mein zweites Kind seit 10 Monaten. Insgesamt habe ich also fast 30 Monate Stillzeit hinter mit. Und damit etwa 28Monate, in denen ich in aller Öffentlichkeit stille. Ich tue dies nicht um ein politisches Zeichen zu setzen, für Frauenrechte oder Kinderrechte einzutreten oder um zu provozieren. Ich tue es für mein Kind. Für mich. Und in diesen 28 Monaten bin ich noch nicht einmal deswegen in eine von – anderen – verursachte – ungute Lage geraten. Noch nie hat jemand etwas zu mir gesagt oder mich mit Blicken kritisiert. Vielleicht hatte ich Glück. Aber ganz sicher liegt es auch an der Ausstrahlung, die wir bei dem, was wir tun haben. Es gibt absolut keine Grundlage mich für das Stillen in der Öffentlichkeit zu kritisieren und ich würde jegliche negativen Kommentare nicht stehen lassen. Natürlich würde es mich in der Situation treffen und wahrscheinlich würde ich auch nicht schlagfertig antworten können. Aber ich weiß um meine Rechte. Und ich würde dafür eintreten.

Doch das war nicht immer so. Nachdem mein zweites Kind geboren war, war es mir in den ersten Wochen unmöglich in der Öffentlichkeit zu stillen. Es war mir unangenehm. Ich fühlte mich nach der Schwangerschaft, Geburt, schwerer Krankheit und mit diesem kleinem Bündel im Arm offen und verletzlich. Ich habe mich also zurückgezogen oder nur unter dem Schutz einer anderen Person an meiner Seite, von der ich wusste, sie würde mir im Zweifelsfall den Rücken stärken in der Öffentlichkeit zu Stillen. Ich war darüber recht überrascht denn ich hatte ja schon über 1,5Jahre „Stillen in der Öffentlichkeit“ ohne Probleme überstanden. Doch im Nachhinein ist es einfach ganz klar. Es war mir nicht möglich und das war gut so. Mein Kind und ich, wir brauchten Zeit um an zu kommen. Es wurde irgendwann besser und ich fühlte mich wieder wohl dabei auch unter anderen, fremden Menschen zu stillen.

Warum ich dir das schreibe? Weil ich dir Mut machen möchte. Deinen Weg zu finden und ihn selbstbewusst zu gehen. Stillen in der Öffentlichkeit darf nicht zum Tabu werden. Jede Frau, die sich danach fühlt sollte dies mit einem riesengroßen Selbstbewusstsein tun. Es geht niemanden etwas an. Außer dich und dein Kind. Doch wenn eine Frau sich entscheidet, dass sie das (noch) nicht tun möchte, ist das auch völlig in Ordnung. Aber sei dir immer gewiss: es gibt kein Argument, kein Aspekt, der wirklich gegen das Stillen in der Öffentlichkeit spricht. Es ist nicht notwendig dass du dich versteckst (weder unter einem Tuch noch in einer dunklen Ecke noch auf der Toilett!) es sei denn es ist dein Wunsch und Bedürfnis.

Solltest du einmal in die Situation kommen, dass du dich kritisiert oder angefeindet fühlst, womöglich während du dein Kind stillst (in meinen Augen eine absolute Verletzung aller moralischer Verhaltensweisen), atme tief durch. Wörtlich. Atme. Lächle. Wenn du eine schlagfertige Antwort parat hast- hau sie raus. Die Wahrscheinlichkeit, dass das eher nicht so ist, ist recht hoch. Das ist durch die Stillhormone zu erklären. Sollte dir also nichts einfallen in diesem Moment, lächle. Aus tiefstem Herzen. Lächle. Denn es gibt keinen Grund, dass du dich rechtfertigen musst. Wer auch immer dir was an den Kopf wirft- er ist im Unrecht. Er tut dir unrecht. Sammle dich in aller Ruhe und überlege, was dir jetzt gut tut.

Denn: es geht um dich. Und dein Kind. Aber das sagte ich schon, oder?


Still-BH GelWire von Carriewell

 

Giveaway:

Was durchaus Sinn macht als stillende Mutter ist gute Stillwäsche. Aus diesem Grund freue ich mich einen GelWire Still- BH von Carriewell (in der Farbeund Größe eurer Wahl) an euch zu verlosen. Kommentiert einfach hier auf dem Blog. Wenn du magst, freue ich mich von deinen Gedanken über das Stillen (in der Öffentlichkeit) zu lesen. Vielleicht kannst du anderen (werdenden) Müttern Mut machen? Die Gewinnerin wird hier auf dem Blog am 27.2.2017 ab 20.00Uhr bekannt gegeben, schau dann bitte noch einmal vorbei. Die Gewinnerin hat dann 10 Tage Zeit sich bei mir zu melden. Viel Glück!

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