Es schein unter uns Eltern etwas zu geben, was dazu führt, dass wir bestimmte Verhaltensmuster, Phrasen und Handlungen unseren (Klein-) Kindern gegenüber voneinander übernehemen. Als ob wir es uns gegenseitig abschauen würden, es als gegeben betrachten und nicht weiter daüber nachdenken. Bei manchen dieser Dinge lohnt es sich einmal genauer hin zu sehen.

Heute habe ich mehrfach miterlebt, wie Eltern ihre Kinder getröstet haben. Sie alle verhielten sich sehr ähnlich: die einen sagten: „Nicht schlimm, beruhige dich, es ist nicht schlimm!“ Der nächste flüsterte dem weinenden Kind zu: „Es ist alles gut, es ist nichts passiert!“. Und ich musste an diesen Text, den ich vor zwei Jahren verfasst habe denken:

{Ein kleines Kind läuft strahlend durch den Raum. Es ist eine Freude ihm zuzusehen, es läuft! Und dann fällt es auf die Knie. Es fängt sich mit den Händen ab, stößt sich nicht den Kopf. Puh. Ein glimpflicher Sturz, das ordnet unser Gehirn sofort ein. Es ist nichts passiert! Gar nicht schlimm.

Doch das Kind, es weint. Sehr sogar. Ja, es brüllt, bleibt auf dem Boden liegen, ist ganz außer sich.

Für das Kind ist es schlimm. Es drückt seine Gefühle ganz deutlich aus: schauen wir doch hin. Es weint. Es schreit. Für das Kind war es kein glimpflicher Sturzes. Vielleicht ärgert es sich, vielleicht ist es wütend oder einfach traurig in seinem Elan gebremst worden zu sein.

Finden wir es heraus! Gehen wir zu dem Kind, nehmen es in den Arm und hören zu. Lassen wir das Kind seine Gefühle ausdrücken. Größere Kinder werden Worte finden um zu erzählen was aus ihrer Sicht passiert ist und was sie empfinden. Kleinere Kinder werden es uns ohne Worte erzählen.

Halten wir das Kind im Arm und hören zu. Wir sagen nichts. Zuhören! Einfühlen. Annehmen.

Jedes Kind hat ein Recht auf seine Gefühle.

Das Kind wird sich beruhigen. Obwohl wir nichts sagen. Weil wir nichts sagen!

Wenn das Kind sich gefangen hat, wenn es alles erzählt hat, wird es zur Ruhe kommen. Und je nach Situation können wir dem Kind dann berichten, was wir beobachtet haben. (Achtung, nicht was wir gefühlt haben!) Also zum Beispiel: „Ich habe gesehen, dass du gelaufen bist. Dann bist du über die Teppichkante gestolpert und auf die Knie gefallen.“ Und wenn es uns ein großes Bedürfnis ist unsere Gefühle mitzuteilen, dann sagen wir, was wir wirklich meinen: „ich bin so froh, dass du nicht verletzt bist. Und ich bin stolz wie toll du laufen kannst.“ Vermeiden wir Phrasen wie: „Es ist nichts passiert! War doch garnicht schlimm!“. Lasst sie uns aus dem Kopf streichen.

 

Featured image

 

Was wird wohl das nächste Mal passieren wenn wir in eine solche Situation kommen? Uns wird in den Kopf schießen: „Es ist nichts passiert! War doch garnicht schlimm!“. Und das ist gut so. Was unser Hirn meint ist nämlich: das Kind ist nicht verletzt, ich muss keinen Notruf tätigen und sein Leben ist nicht in Gefahr. Das Hirn macht es uns einfach indem es sofort einordnet: es war nicht schlimm. Sagen wir uns das in unseren Köpfen. Es ist nichts schlimmes passiert! Damit können wir uns selbst beruhigen um dann ganz beim Kind und seinem Gefühlen sei zu können. Aber lasst es uns nicht aussprechen! Und wir werden spüren: für das Kind war es schlimm. Und: dadurch, dass es sein Schmerz fühlen darf, wird der Schmerz vergehen. Es fühlt sich angenommen wie es ist. Mit all den Gefühlen. So wie es ist. Und das ist nichts anderes als Liebe. Es wird geliebt.}

Teilen: