Seit Wochen beschäftige ich mich immer wieder mit der Frage, wie wir die Advents- und Weihnachtszeit gestalten wollen. Denn ich bin sicher, dass es schön ist, in den ersten Jahren Rituale und Bräuche ein zu führen, die dann zur Tradition werden. Denn Kindern gibt es Sicherheit und bereitet ihnen Freude Rituale zu kennen und zu erinnern.

Also stellte ich mir die Frage, ob es einen Adventskalender geben soll? Eine Weihnachtskrippe? Bestimmte Lieder? Einen Adventskranz? Einen Tannenbaum – schon vor Heiligabend oder erst am 24.? Wie wir die biblische Geschichte erzählen wollen? Ob der Nikolaus nur die geputzten Stiefel vorfinden wird oder auch Heu für den Esel oder ein paar Kekse? Wer das Haus schmückt- wir oder die Wichtel heimlich in der Nacht? Und noch so vieles mehr.

Ich konnte sie mir nicht beantworten. So viele Fragen. So viele Entscheidungen. Und immer auch die Gewissheit, dass bei kleinen Kindern Weniger oft mehr ist. Viele Kinder scheinen von dem eigentlichen Zauber des Festes nur noch weniger mitzubekommen, da sie schier erschlagen werden von all den Geschenken. Als ich gestern in der Buchhandlung zwischen 23 Weihnachtskinderbüchern saß, die alle einen anderen Zauber hatten (ich hätte gerne alle mitgenommen) wurde mir bewusst, dass es gar nicht so sehr um diese „äußeren“ Entscheidungen geht. Das es eigentlich ziemlich egal ist, ob der Adventskranz aus traditionellen Tannen oder wunderschönem Eukalyptus gebunden ist. Ob die Säckchen des Adventskalenders selbst genäht oder aus Packpapier gefaltet sind. Es geht um das Gefühl, mit dem Kleinkinder diese Zeit erleben. Denn Weihnachten ist das Fest der Liebe. Des Friedens und der Hoffnung. Wenn meine Kinder an Weihnachten in ihrer Kindheit zurück denken, wünsche ich mir, dass sie an ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit zurück denken. An eine Zeit des Kerzenlichts und der Sterne. An ein rauschendes Fest, an dem es auch Geschenke gab. Aber eben nicht nur. Sondern auch, dass gesungen wurde. Und getanzt. Um den Weihnachtsbaum und während des Plätzchenbackens.

Dieses Gefühl, dass ich mir für meine Kinder – und auch für mich selbst wünsche, hängt stark von der Atmosphäre ab, in der wir die nächsten Wochen verbringen werden. Nehmen wir uns Zeit füreinander um zu Backen, Sterne zu basteln und Geschichten zu lesen? Oder fühlen wir uns gehetzt und gestresst, weil wir all die Dinge „erledigen“ möchten?

Grundlegend ist, wie wir Erwachsenen diese Zeit erleben. Wenn wir sie freudvoll erleben, dann spüren unsere Kinder das natürlich. Und das ist es doch, was dieses Gefühl ausmacht. Ein glückliches und fröhliches Miteinander. Und dann ist es auch ganz egal ob es ein gekaufter Adventskalender oder ein selbstgebastelter ist, ob es ein hipper Adventskranz ist oder ein ganz öder. Wichtig sind die Kerzen darauf. Und wie es den Eltern geht, die mit einem zusammen Geschichten lesen. Wichtig ist, dass jede Familie das Fest und die Zeit davor so zelebriert, wie es sich gut anfühlt. Da gibt es kein richtig und kein falsch.

Ich habe mich entschieden, dass ich diese Zeit bewusst erleben möchte. Und dann kamen mir all die Dinge in den Kopf, die in diese Zeit fallen und mir wurde ganz schwindelig – wie soll ich das alles in diesem einen Monat schaffen?

Also habe ich mir überlegt, dass ich einen Rahmen brauche. Und dieser Rahmen wird der Adventskalender sein. Wir werden kleine Päckchen packen. Und zwar mit Geschenken der anderen Art: ich werde dort hinein packen, was für mich in diese Zeit gehört. Geschichten, Lieder (Texte und Melodien), ein Keksrezept, die Utensilien aus denen mein Kind jeden Sonntag ein Adventslicht basteln kann.

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In der Nacht auf den ersten Dezember werde zwei Wichtel den Kalender aufhängen und am Morgen unseren Jungen begrüßen. Und sie werden uns durch die Adventszeit führen. Wie ein roter Faden. Denn in den Päckchen des Adventskalenders werden immer wieder auch Briefe von den Wichteln stecken, in denen sie von Weihnachten im Wald erzählen. Sie werden uns die Lieder, Geschichten und Rezepte schicken. Sie werden von der biblischen Geschichte erzählen und vom Nikolaus. Dadurch habe ich das Gefühl, dass es nicht zu viele einzelne Erlebnisse sind, die unser kleiner Junge in den kommenden Wochen  erwarten, sondern sie alle umhüllt von einer übergeordneten Geschichte sind.

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Und da ich sehr aufpassen möchte, dass es lieber wiederkehrende Geschichten und Lieder sind, statt eine Fülle, die gar nicht greifbar ist für kleine Kinder, habe ich 4 Geschichten ausgewählt, die uns begleiten werden.

Von einer möchte ich euch genauer Erzählen: Das Märchen im Schnee. Es geht um Tiere, die sich im Wald ganz eng in einem Handschuh zusammen kuscheln, weil ihnen kalt. Diese Geschichte eignet sich besonders gut für 2-3Jährige, da sie kurz und knackig ist und die Worte und Namen sich ständig wiederholen, so dass die Kinder rasch mitsprechen. Für mich strahlt dieses liebevoll gestaltete Buch ganz viel „Weihnachtsgefühl“ aus. Darum werden in dem Adventskalender nach und nach alle darin vorkommenden Tiere in Form von Holzfiguren auftauchen. So kann mein Sohn die Geschichte (oder auch eine ganz andere) nachspielen. Ich freue mich schon jetzt darüber, wie er sich freuen wird, wenn er die Figuren in den Händen hält und sie erkennt.

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Natürlich müssen trotz allem viele Entscheidungen getroffen werden, wie wir Weihnachten feiern wollen. Aber es fühlt sich nicht mehr so wichtig an. Weil es für unsere Kinder so oder so schön sein wird.

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Wie ist das bei euch? Habt ihr schon feste Ritaule oder Traditionen in der Adventszeit oder zu Weihnachten? Habt ihr viel aus eurer eigenen Kindheit übernommen oder macht ihr es ganz anders?

Ich freue mich davon zu lesen!

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