Nach meinem letzten Artikel, in dem es um emotionale Verletzungen während der Geburt ging, habe ich von vielen Frauen Nachrichten erhalten, die ähnliches wie meine Freundin Linde unter der Geburt erlebt haben. Und irgendwie schwingt auch immer wieder die Frage mit, was frau in der Situation anders machen könnte um diese Verletzungen zu verhindern.

Die meisten Frauen, denen etwas Verletzendes während der Geburt zugestoßen ist, sagen: „ich konnte mich in dem Moment einfach nicht währen, nicht für meine Wünsche und Bedürfnisse einstehen oder um Hilfe bitten.“ Und das ist absolut nachvollziehbar und verständlich. Eine Gebärende befindet sich in einem Ausnahmezustand. Körper, Geist und Seele sind absolut darauf fixiert das Kind auf die Welt zu bringen. Eine Gebärende kann mit ihrer Umwelt nicht so kommunizieren und interagieren wie sie es sonst könnte. Es ist schlicht weg unmöglich. Ihr ganzen Sein ist darauf ausgerichtet diesem Kind auf die Welt zu helfen und viele Frauen berichten, dass sowohl Wahrnehmung als auch Handlungs- und Ausdrucksmöglichkeiten in dieser Situation sehr  verändert sind.

Dennoch gibt es einige Möglichkeiten sich vor verletzenden Dingen zu schützen.

  1. Suche dir ein geburtshilfliches Team, dem du dein vollstes Vertrauen entgegen bringst. Also zum Beispiel eine Hebamme für eine Hausgeburt oder im Geburtshaus oder auch eine Beleghebamme für die Krankenhausgeburt. Leider ist es schon in vielen Teilen Deutschlands nicht mehr möglich sich „seine“ Hebamme zu suchen, die ein von der Frühschwangerschaft über die Geburt bis nach dem Wochenbett betreut. Wichtig ist, sich möglichst früh (also mit dem positiven Schwangerschaftstest!!!) darum zu kümmern. Ich halte auch längere Wege für tragbar, um sich von der einen Hebamme der du vertraust betreuen zu lassen. Ein Vertrauensverhältnis mit der betreuenden Hebamme ist der Beste Schutz vor emotionalen Verletzungen.
  2. Wissen ist Macht. Eine gut informierte und vorbereitete Frau hat die Möglichkeit ihren Wünschen und Bedürfnissen Ausdruck zu geben. Wenn du weißt, was du nicht möchtest, kannst du dich besser davor schützen. Ein guter Geburtsvorbereitungskurs oder intensive Gespräche mit Hebammen oder Müttern, die ihre Erfahrungen teilen können hier helfen.
  3. Schriftlich Festhalten, was für die Geburt wichtig ist. Zunächst einmal für dich selbst. Schreibe auf, was du dir wünschst und was du brauchst. Und zwar genau so. Schreibe auf was du dir WÜNSCHST ohne wenn und aber. Solltest du dir zum Beispiel (rein fiktiv!!!) wünschen, dass du dich im Raum frei bewegen kannst, dann schreibe es so auf. Schreibe nicht auf: ich möchte mich frei bewegen wenn das möglich ist. Meine Mutter sagt immer: wünschen kann man sich alles. Ob das dann auch in Erfüllung geht, das ist eine andere Sache. Und so ist es auch hier. Sollte es einen geburtshilflich guten Grund geben, warum du dich nicht frei bewegen kannst, wird dir die Fachfrau an deiner Seite, die Hebamme, schon sagen, dass es nicht geht.
  4. Suche dir eine/n Vertrauten, den du mit zu der Geburt nimmst. Dein Begleiter, dein Beschützer, dein Sprachrohr. Dein Fels in der Brandung. Hast du jetzt gleich an deinen Partner gedacht? Das tun die meisten. Und natürlich kannst du ihn mit zur Geburt nehmen, wenn es sich für dich und ihn richtig anfühlt. Und vielleicht kann dein Mann auch dein Fels sein. Vielleicht aber auch nicht, dann kannst du noch jemanden dazu wählen, der dich und deinen Partner begleitet. Denn einige Partner können und wollen diese Aufgaben nicht übernehmen und das ist auch vollkommen ok. Deswegen dann aber auf deinen Fels zu verzichten, das wäre schade.Dein Fels in der Brandung hat hauptsächlich die Aufgabe dich zu beschützen. Vor allem, was du nicht willst. Und das tut er, indem er sein Sprachrohr ist. Er vermittelt zwischen dir und deinen Bedürfnissen und dem geburtshilflichen Team. Er gibt dir Sicherheit und Vertrauen, dass alles gut ist.

 

  1. Der letzte Punkt betrifft nicht nur dich als Schwangere/Gebärende persönlich sondern alle, die sich für Gewaltfreie Geburt einsetzen möchten. Denn die schwierigen/verletzenden Situationen sind oft auf die schlechten Arbeitsverhältnisse im Kreißsaal zurück zu führen. Sowohl Hebammen als auch Ärztin und Ärzte betreuen oft viele Gebärdende gleichzeitig und sind mit einem viel zu hohen Arbeitspensum belastet. Unter Stress passieren Dinge, die verhinderbar gewesen wäre.

 

Damit sich die Situation für uns Hebammen und Kreißsaalteams verbessern kann, muss sich politisch etwas ändern. Immer weniger Hebammen müssen sich um immer mehr Frauen kümmern und darunter leidet die Qualität. Es müssen endlich Lösungen auf politischer Ebene gefunden werden. Wer sich also für eine Gewaltfreie Geburt einsetzen möchte, der setze sich für eine Verbesserung der Hebammensituation ein.

 

Und am Ende möchte ich dir für dich, den werdenden Papa und jeden der dich zu der Geburt begleiten noch ein Mantra mitgeben:

„Es geht um dein Kind. Um deine Geburt. Ihr seid es wert, dass es für euch ein positives Erlebnis wird. Habt Mut euch für deine Wüsche und Bedürfnisse einzusetzen. Das Erlebnis wird dich prägen und ist nicht auszutauschen. Stehet für euch ein.“

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