Als Mütter stoßen wir an unsere Grenzen. Es gehört zum Leben mit Kindern dazu.

Wir werden in diese neue Rolle mit der Geburt unseres Kindes geworfen- und wachsen daran: jeden Tag und durch all die Phasen die wir mit unseren Kindern erleben hindurch. Und manchmal ist das alles ganz anders als wir uns das vorgestellt und erhofft haben.

Je größer Müdigkeit, Termindruck, Anspannung und Erwartungen werden desto schwieriger wird es mit schwierigen Situationen um zu gehen. Dann finden wir uns vielleicht wütend weinend vor unserem Säugling oder schreiend vor unserem Kleinkind wieder. Das wiederum erhöt unseren Stress und ehe wir uns versehen sind wir in einem Teufelskreis.

Das Gute ist: wir wachsen. Wir wachsen mit unseren Kindern. Was uns gestern noch nicht gut gelungen ist, können wir heute üben und vielleicht gelingt es uns morgen schon besser. Vielleicht auch nicht. Und das ist ok. Solange wir dran bleiben. Am Wachsen und Lernen. Und Üben.

Stellen wir uns eine beispielhafte Situation vor, die so oder so ähnlich wohl jede Mutter erlebt. Eine Situation, die uns an unsere Grenzen bringt:

Ein Kleinkind hat in einem unbeobachteten Moment in einem Kinderbekleidungsladen einen ganzen Korb voll weißer Stofftierhasen auf den Boden ausgeräumt. Die Mutter entdeckt es, geht zu dem Kind und bittet es, die Stoffltiere wieder einzusammeln. Das Kind kommt dieser Aufforderung nicht nach. Die Mutter wiederholt die Aufforderung. Nun wirft sich das Kind auf den Boden- also auf die Hasen- und brüllt. Es strampelt und brüllt. Die Mutter ist hungrig, erschöpft und gestresst- sie hat in wenigen Minuten einen Termin nebenan. Sie hat den Impuls das Kind an den Armen hoch zu ziehen, zu schimpfen und wütend die Kuscheltiere in den Korb zu werfen. Sie ist in dem Moment an ihrer Grenze. Sie ist kurz davor zu explodieren.

Doch sie tut etwas anderes. Sie setzt sich zu dem Kind auf den Boden. Sie lässt es brüllen. Und denkt an den Spruch, der sie schon länger begleitet:

„Tue es. Frag dich in jeder schwierigen Situation: „Was würde der stärskte, mutigste, liebevollste Teil meiner Persönlichkeit jetzt tun?“ Und dann tue es. Tue es richtig. Und zwar sofort.“ Dan Milman

Als die Mutter also neben ihrem wütenden Kind sitzt, stellt sie sich diese Frage. Und obwohl sie vor wenigen Sekunden noch kurz davor war zu explodieren, weiß sie nun, was der stärkste, mutigste, liebevollste Teil in ihr tun würde. Er würde ruhig bleiben. Und es  fällt es ihr ganz leicht. Es fällt ihr leicht ruhig zu bleiben. Und besonnen. Denn dieser Teil in ihr weiß, dass Stress und Wut und Druck diese Situation nicht lösen werden. Im Gegenteil.

Der Druck scheint wie weg geblasen. Sie sitzt also neben ihrem wütenden Kind und weiß plötzlich, dass die Situation sich in wenigen Minuten entspannen wird. Und dass sie kaum Zeit verlieren wird. Also sitzt sie einfach da und wartet. Als das Kind sich beruhigt, versucht die Mutter sich in das kleine Kind zu versetzen. Sie frag das Kind, warum die Stoffhasen auf dem Boden liegen sollen. Und das Kind zeigt ihr, dass es so mit alllen Stofftieren gleichzeitig kuscheln kann. Es breitet seine Arme aus und schließt alle in seine Arme. Alle 23 weißen Stoffhasen.Und es ist offensichtlich: das geht nur, wenn sie vor ihm liegen. Nicht aber, wenn sie in einem Korb im Regal stehen. Die Mutter beobachtet ihr Kind, mit welcher Zärtlchkeit es sich diesesn Stoffltiern widmet. Ein wenig später fragt sie das Kind, ob sie die Kuscheltiere nun gemeinsam wieder in den Korb räumen können. Das Kind verneint. Die Mutter denkt an ihren Termin. Sie ist immer noch hungrig. Und müde. Doch sie ist ganz ruhig. Und überlegt. Nun schlägt sie vor, die Tiere einzeln in den Korb zurück hüpfen zu lassen. Das Kind ist skeptisch aber einverstanden. So lässt die Mutter jedes Tier in den Korb hüpfen. Eines nimmt Anlauf, das nächste Hüpft ein paar Mal auf der Stelle und das nächste macht einen Salto. Das Kind lacht. Es lacht lauthals. Und als alle Tier im Korb angekommen sind, stellen Mutter und Kind den Korb zurück. Das Kind verabschiedet sich liebevoll und ein wnig traurig von den Stofftieren und ist dann bereit zu gehen.

Die Mutter kommt zu spät zu ihrem Termin. 3 Minuten. Doch sie ist glücklich. Glücklich darüber, gewachsen zu sein. Glücklich wieder eine schwierige Situation gemeistert zu haben.

Was ist in dieser Situation also bei der Mutter passiert? Sie hat es geschafft, den Druck entweichen zu lassen, ohne zu explodieren. Das ist wunderbar. Und sie hat es oft geübt. Und es gelingt ihr nicht jedes mal. Aber diesmal ist es gelungen. Was ihr geholfen hat, war bei sich zu bleiben. Und sich diesen Teil ihrer selbst ins Gedächtnis zu rufen. Denn dieser Teil steckt in jeder von uns. Manchmal ist er nur versteckt hinter dem Druck. Dann können wir ihn suchen. Richtig hervorgraben. Und wenn uns das Gelingt, müssen wir uns nicht einmal verstellen oder anstrengen. Denn dieser Teil ist Teil unserer selbst. Was wir also jeden Tag und vor allem in jeder schwierigen Situation üben und lernen können, ist diesen Teil in uns zu finden. Und ihn hervorzuholen.

Denn es kommt nicht darauf an wer wir sind. Sondern zu wem wir werden.

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