In dem ersten Teil zum Thema Stoffwindeln, konntet ihr schon ein bisschen was Allgemeines zu dem Wickeln mit Stoffwindeln lesen. Heute gibt es einen ersten Teil zu dem FAQ, mit Fragen, die ihr gestellt habt. Zur Beantwortung habe ich eine Expertin mit ins Boot geholt.

Ich habe sie gebeten sich und ihren Blog kurz vor zustellen:

Hallo,
ich bin Agnes, ich erwarte derzeit mein zweites Kind. Mit meiner Tochter bin ich zum Stoffwickeln gekommen. Schnell wurde das zur Leidenschaft, daher bin ich seit kurzem Stoffwindelberaterin und habe den Blog Windelpops. Dort stelle ich immer mal wieder Windeln vor, die ich teste, zeige euch was sonst noch wichtig ist beim Stoffwickeln und erzähle euch ein wenig aus meinem Leben.

Bring doch bitte ein bisschen Licht ins Dunkle: Welche Stoffwindelsysteme gibt es?

Es gibt fünf verschiedene Systeme, von denen jedes seine Vor- und Nachteile hat.

All-in-One (AIO)
Hierbei handelt es sich um ein Komplettsystem, also einer fertigen Windel, die keine weitere Überhose benötigt. Sie besteht aus einer nässeschützenden Außenschicht aus beschichtetem Polyester, ähnlich einer Outdoor-Jacke. An diese Außenschicht ist eine Innenschicht fest vernäht. Diese Innenschicht besteht z.B. aus Baumwolle, Bambus, Hanf o.ä. Zu den Materialien erzähl ich später noch etwas. Diese Windel ist meist in der Leibhöhe mit Druckknöpfen verstellbar, sodass sie lange mitwächst. Man macht sie einfach mit Druckknöpfen oder Klett zu, wie eine Wegwerfwindel. An Beinen und Rücken befinden sich immer Gummis, damit auch nichts herausläuft.
Der Vorteil hierbei ist natürlich die einfache Handhabung. Das bekommt wirklich jeder hin. Außerdem kann man diese Windel einfach in die Waschmaschine legen, ohne irgendwelche Einlagen herausnehmen zu müssen.

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Auf dem Bild: AIO von Blümchen, die gibt es hier (klick).

All-in-Two (AI2)/Snap-in-One (SIO)
Auch diese Windel ist ein Komplettsystem, mit Klett oder Druckknöpfen zu verschließen und meist mitwachsend mittels Druckknöpfen in der Leibhöhe. Diese Windel besteht aus zwei Teilen, wie der Name sagt. Einer nässeschützenden Außenwindel, die innen mit Druckknöpfen versehen ist. Mithilfe dieser Druckknöpfe kann man die Einlagen befestigen.
Auch hier ist die Handhabung sehr einfach, wenn man die Windeln vorbereitet. Außerdem besteht die Möglichkeit nur die Einlage zu wechseln, wenn die Überhose sauber geblieben ist.

All-in-Three (AI3)
Diese Windel besteht aus 3 Teilen. Der erste Teil ist die Außenwindel. Das besondere hier ist, dass diese „nur“ aus Baumwolle besteht. Sie hält also nur alles zusammen. Der zweite Teil ist dann die Innenwindel, diese besteht nun aus einem nässeschützenden Material und wird in die Außenwindel eingeknöpft. Dort hinein legt man einfach die Einlagen. Da kann alles hinein. Von fertigen Einlagen bis zu einfachen Waschlappen. Auch diese Windel ist natürlich mit Druckknöpfen oder Klett zu verschließen und in der Leibhöhe verstellbar.
Eindeutiger Vorteil ist hier, dass die Nässe wirklich nur am ausscheidenden Körperteil ist und nicht rundherum. Außerdem muss auch hier nur die Einlage gewechselt werden, daher fällt weniger Wäsche an und es trocknet schneller.

Pocketwindel
Auch diese Windel ist wieder ein Komplettsystem, mit Klett oder Druckknöpfen zu schließen und in der Größe zu verstellen. Sie besteht aus zwei Teilen. Die Außenwindel ist außen wieder aus nässeschützendem Material. Innen ist sie aber mit Mikrofaserfleece ausgekleidet, der an einer Stelle, oben oder unten eine Öffnung hat. So bildet sie eine Tasche. In diese Tasche kommt die Einlage.
Der Vorteil hierbei ist wieder die einfache Handhabung, man kann sie gut vorbereiten. Und durch die zwei Teile trocknet sie schnell.
Höschenwindel
Hierbei handelt es sich um eine vollständig saugende Windel. Sie benötigt also eine Überhose. Sie ist meist mitwachsend und mit Klett oder Snaps verschließbar.
Diese Windel saugt natürlich am Meisten und eignet sich daher besonders gut für nachts.
Als Höschenwindel zählen auch die Bindewindel und die Mullwindel. Die klassischen Stoffwindeln. Alle bereits vorgestellten Systeme sind wie normale Wegwerfwindeln anzulegen, Bindewindeln werden gebunden. Sie bestehen aus 100% Baumwolle, ebenso wie die Mullwindel, die wohl den meisten als Spucktuch bekannt ist. Hierfür gib es verschiedene Falttechniken. Der Vorteil an den Bindewindeln ist eindeutig, dass sie wirklich von Anfang bis Ende mitwachsen und sehr schnell trocknen. Auch die Mullwindeln trocknen schnell, allerdings passen diese eher am Anfang, man kann sie dann aber auch prima als Zusatzsaugeinlage in andere Windeln einlegen.

Überhose
Wie der Name sagt, ist auch dies keine vollständige Windel, sondern dient lediglich dem Nässeschutz. Es gibt sie aus verschiedenen Materialien, wie z.B. Wolle oder Polyester. Auch die Formen unterscheiden sich hier. So gibt es welche zum Schlüpfen oder wie die anderen Windeln auch zum Verschließen mit Klett oder Druckknöpfen.
Die Überhosen zum Schlüpfen haben den Vorteil, dass kein Klett oder Druckknopf drücken kann, die anderen sind dafür in der Leibhöhe verstellbar und daher mitwachsend.

Überhosen können natürlich auch für klassische Modelle verwendet werden. So legt man sie auch über die guten alten Mull- oder Bindewindeln an, oder man bestückt sie einfach mit Einlagen. Es gibt extra Einlagen (Prefolds), die für Überhosen mit Laschen gefertigt sind.

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Auf dem Bild: Bindewindel und Überhose, ähnliche gibt es hier (klick).

Kannst du noch ein bisschen was zu den einzelnen Materialien sagen?

Klar, in der Kürze zusammengefasst:
– Baumwolle: speichert Nässe und zieht schnell ein
– Hanf: saugt langsam, speichert aber sehr gut und lange
– Bambusviskose: speichert Nässe gut
– Wolle: oberflächlich trocken, kann 1/3 des Eigengewichts an Flüssigkeit speichern
– Mikrofaser: saugt sehr schnell, speichert Nässe jedoch schlecht
– PUL beschichtetes Polyester: PUL= Polyurethanlaminat, nässeundurchlässig und atmungsaktiv

Was ist beim Waschen der Windeln zu beachten?

Bei den meisten Windeln ist es wichtig, dass man enzymfreies Waschmittel verwendet. Das gibt es von verschiedenen Firmen bei sämtlichen Stoffwindelhändlern zu bestellen. Ansonsten alles wie gehabt. Ich empfehle 60°C und wer kann, kann die Schleuderzahl etwas herunterstellen. Das beansprucht dann die Nähte nicht so. Meine Windeln werden bei 800 Umdrehungen geschleudert.

Wie viele Windeln benötigt man am Anfang und was benötigt man zusätzlich?

Es empfiehlt sich ca. 20 Tagwindeln und 5 Nachtwindeln haben. Dann wäscht man alle 2-3 Tage und hat immer Windeln im Vorrat.
Ansonsten gibt es ein paar Kleinigkeiten, die einfach praktisch sind.
Zum einen das Windelvlies. Das legt man in die Windel hinein. Es hält das gröbste ab, dass dann einfach in der Toilette oder im Müll entsorgt werden kann. Ist es nicht schmutzig, kann man es auch zwei- bis dreimal mitwaschen. Außerdem empfiehlt sich eine Nasstasche (Wetbag). Diese besteht aus dem gleichen Material wie die meisten Außenwindeln und verstaut die schmutzigen Windeln unterwegs geruchsdicht und wasserundurchlässig. Ich empfehle auch einen großen Wäschesack. Dort werden die Windeln gesammelt und man kann sie ohne noch einmal anzufassen in die Waschmaschine befördern.
Und ich finde, wenn man schon mit Stoff wickelt, kann man auch die Feuchttücher ersetzen. Da kann man einfach Waschlappen und Wasser nehmen, oder man gibt ein wenig Öl dazu. Z.B. Mandel- oder Kokosöl.

Wie wickelt man nachts?

Das habe ich oben schon einmal angerissen. Da empfehlen sich Höschenwindeln hervorragend, da sie komplett aus saugendem Material bestehen. Auch Bindewindeln sind da prima, da auch diese komplett saugen.
Wie macht man das mit den Stoffwindeln unterwegs oder im Urlaub?

Im Endeffekt wie zu Hause auch. Man nimmt eine Tüte oder eben eine Nasstasche für die schmutzigen Windeln mit. Für z.B. lange Autofahrten empfehlen sich auch Binde- oder Höschenwindeln, ggf. mit zusätzlicher Einlage.
Im Urlaub ist ja meist auch irgendwo ein Waschsalon oder ähnliches. Ansonsten spült man die Windeln mit der Hand aus. Hier eignen sich vor allem Systeme, bei denen nur die Einlage gewechselt werden muss. So fällt weniger Wäsche an. Außerdem hat Wolle da den entscheidenden Vorteil, dass sie sich selbst reinigt, somit muss sich nicht allzu oft gewaschen werden und hält bis zu 3 Wochen je nach Verschmutzung durch.

Danke Agnes!

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Da es noch viel mehr spannende Fragen zu dem ganzen Thema gibt, wird es noh einen zweiten Teil des FAQ´s geben, welche Fragen brennen euch unter den Nägeln?

Antworten von Agnes, Fragen und Bilder von Jule

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