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Zwei kleine Kinder sitzen barfüßig in Regenhosen auf dem Boden. Jedes von ihnen hat einen Teller mit Schokoladenbrownies vor sich stehen.

Sie sind konzentriert, ja gerade zu versunken in dem Moment. Sie genießen. Es scheint ihnen zu schmecken. Sehr sogar. Wie fast alle Kinder lieben sie Süßigkeiten.

Ein wunderbarer Moment. Jedes Herz erfreut sich daran, dieses Glück zu erleben.

*(siehe Seitenende)

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15 Prozent der 3- 17 jährigen Kinder sind übergewichtig.

6 Prozent aller Kinder sind fettsüchtig.

Kinder die übergewichtig sind, laufen Gefahr, später in ihrem Leben hohen Blutdruck, Herz- und Kreislauferkrankungen, Gicht oder Diabetes zu bekommen.

                                                                                                            (Quelle: Stiftung Kindergesundheit)

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Erschreckende Zahlen. Erschreckende Entwicklungen:

So scheint es Gang und Gebe zu sein, dass schon Säuglinge zuckerhaltige Speisen wie Speiseeis oder Kekse angeboten bekommen. Und die Werbung suggeriert uns, dass Süßigkeiten Kinder glücklich machen und zudem gesund sein.
Dies ist falsch.

Das ganze Thema ist ziemlich komplex, aber es lohnt sich einmal genauer hin zu sehen:

Es gibt viele verschiedene Arten von Zucker. Grudsätzlich ist Zucker nicht ungesund und muss nicht völlig gemieden werden. Es ist jedoch wichtig, die Zuckerarten zu unterscheiden und vor allem gilt: die Menge macht das Gift.

Grundlegend kann man zwischen natürlichem Zucker (in Früchten und Nüssen enthalten) und industriell hergestelltem Zucker (es gibt viele Verschiedene) unterscheiden. (Sehr vereinfachte Darstellung!)

Es gibt Zuckerarten, die den Blutzucker blitzschnell in die Höhe schießen lassen. Werden diese Zuckerarten häufig verzährt, führt dies zu Blutzuckerschwankungen. Diese belasten die Bauchspeicheldrüse, sowie Leber, Niere und Darm. Diese Belastungen können gesundheitliche Folgen haben.

Ein Zucker ist also um so ungesünder, desto schneller er den Blutzucker steigen lässt. Man berechnet dies nach dem so genannten Glykämischen Index. Je höher er ist, desto schlechter der Zucker. Reiner Zucker (Glucose) hat den höchsten Glykämischen Index. Er beträgt 100. Weißbrot liegt bei ca 70 bis 85 und Schokolade bei 70. Vollkornprodukte haben einen Glykämischen Index von 40. Und Achtung, jetzt wirds interesannt: Hülsenfrüchte sowie die meisten Obst und Gemüsesorten liegen noch weiter darunter.

Fassen wir also noch einmal bis hier her zusammen:
  • Kinder lieben Süßigkeiten
  • Viele Kinder sind schon in frühen Jahren Übergewichtig
  • Übergewicht führt zu Folgeerkrankungen, die so genannten Volkskrankheiten
  • Es gibt unterschiedlich gesunde Zuckerarten
  • Die gesündeste Zuckerart (in Maßen!) ist der natürliche Zucker in naturbelassenen Früchten, Nüssen und Getreide

Und fügen noch folgendes Hinzu:

  • Zucker macht süchtig und die Geschmacksnerven „gewöhnen“ sich schnell an industriell hergestellten Zucker

Wenn wir nun an die Ernährung unserer kleinen Kinder denken, kann es doch aus diesen Fakten nur eine logische Konsequenz geben: wir schützen sie so lange es geht vor dem ungesunden Zucker. Damit sie sich nicht von Beginn an an die künstliche Süße gewöhnen. Damit ihr kleiner Körper nicht von Anfang an an seine Grenzen gebracht wird. Damit sie die natürliche Süße genießen können. Damit sie unbeschwert genießen können.

Für viele Eltern scheint dies im Alltag nur schwer umsetzbar. Doch es ist machbar. Denn natürlich soll jedes Kind Süßigkeiten essen dürfen. Doch es muss nicht Schokolade oder Weingummi sein. Es gibt so viele Alternativen: frisches Obst oder getrocknetes, Nüsse oder Gebäck, das mit Bananen oder Datteln gesüßt ist. Sogar Eis lässt sich ohne Zuckerzugabe herstellen.

Zum Schluss noch ein kleines FAQ zu den häufigsten Fragen:

Wie kann ich damit umgehen, wenn wir mit anderen (zum Beispiel auf einer Geburtstagsfeier) zusammen sind und es viel ungesunden Zucker gibt?

  • Das wichtigste ist deine Entscheidng als Elternteil. Wenn du nicht möchtest, dass dein Kind von den Süßigkeiten ißt, und entschlossen bist, dass es für dein Kind wichtig und richtig ist, (noch) darauf zu verzichten, ist der wichtigste Schritt geschafft. Verlangt dein Kind nach Süßigkeiten, kannst du ihm erklären, warum es das nicht gibt. (Falls du Zweifel hast, dass das klappt, stell dir folgende Situation vor: dein kleines Kind möchte von deinem heißen Kaffe trinken. Oder aus deinem Weinglas. Oder es möchte auf dem Fahrersitz des Autos fahren. Genauso ist es mit dem Zucker. Es ist deine Entscheidung.) Da dein Kind den anderen beim Süßigkeitenessen nicht nur zuschauen soll, hältst du Süßigkeiten für dein Kind bereit. Zum Beispiel einen Apfel, Rosienen oder einen Kuchen ohne Zucker (Rezept gibt es zum Beispiel hier).

Mein Kind kennt Schokolade und co schon. Jetzt ist es zu spät, ihm anderes anzubieten, oder?

  • Nein. Es ist nie zu spät. Unsere Essgewohnheiten sind fast alle Gewohnheiten. Und Gewohnheiten kann man ändern. Man muss „nur“ damit beginnen. Ein Anfang kannst du als Elternteil schon beim Einkaufen machen: wenn keine Schokolade im Haus ist, gibt es zuhause keine Schokolade.

WIe lange sollte ich meinem Kind lieber keine Schokolade und co anbieten?

  • Kinder im ersten Lebensjahr sollten keinen Industriezucker essen. Weder Speiseeis noch Schokolade oder Traubenzucker sind für sie geeignet. Größere Kinder die diese Süßigkeiten nicht kennen, vermissen sie auch nicht. So lange sie mit den natürlichen Süßigkeiten zufrieden sind, brauchen sie nichts anderes

Was ist das Wichtigste im Umgang mit dem Zucker?

  •  Wichtig ist, dass Familien für sich einen guten Weg finden. Es gibt nicht den einen Weg für alle. Mein Wunsch ist es, dass Eltern sich Gedanken darüber machen, wieviel Zucker ihre Kinder konsumieren. Die Entscheidung liegt natürlich ganz bei ihnen. Und wenn ein Kleinkind gelegentlich (und auf dessen Wunsch!) ein Stück Schokolade ißt, ist das die Entscheidung der Familie und das ist genauso richtig wie alles andere. Der gesunde Umgang mit Süßigkeiten sollte natürlich früh gelernt werden. Ein absolutes Verbot, ist in diesem Sinne sicher nicht förderlich und empfehlenswert.
Dieser Verzicht ist Ausdruck von Liebe.
Da dieser Satz offensichtlich missverständlich ist, möchte ich es noch einmal anders formulieren: wenn Eltern sich entscheiden, ihr zufriedenes(!) Kleinkind zuckerfrei zu ernähren, sollten sie sich dafür nicht rechtfertigen müssen. Es ist keine Bestrafung oder Vorenthaltung von etwas, was ihm zustehen würde. Es ist eine aktive Entscheidung im Sinne des Kindes und dessen Gesundheit.

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*Die Kinder auf dem Bild oben essen Brownies, die nur mit natürlichem Zucker gesüßt sind. Die Brownies bestehen aus Nüssen, Trockenfrüchten, Kakaopulver und Kokosfett. Kein Gramm Industriezucker.
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Ich bin keine Ernährungswissenschaftlerin. In diesem Text versuche ich vereinfacht die Sache mit dem Zucker dar zu stellen. Wie immer nach bestem Wissen und Gewissen.

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