imageLiebe Lina,

du schreibst, dass dein vierjähriger Sohn gerne Süßigkeiten, Säfte und Schorlen mag. Es fällt dir schwer ihm verständlich zu machen, warum dies in einem Übermaß ungesund für ihn ist. Und du fragst mich: „wie mache ich das?“.

Puh. Ich habe kein Patentrezept (falls jemand eins hat, möge er sich bitte melden!), ich kenne dich und deinen Sohn nicht. Aber ich habe einige Gedanken zu deiner Frage.

Vielleicht magst du deinem Sohn einem Brief schreiben. Schreib ihm was du wirklich sagen möchtest. Sag ihm, dass du ihn sehr lieb hast. Dass du deine Aufgabe als seine Mutter sehr ernst nimmst. Und dass dies die Aufgabe beinhaltet, seine Gesundheit zu schützen und ihm einen möglichst guten Start in sein Leben zu ermöglichen.

Schreib ihm, dass es dich glücklich macht ihn glücklich zu sehen. Und dass es dir schwer fällt ihm Dinge zu verbieten die ihm so gefallen.

(Ich bin mir sicher, dass das so ist ohne dich zu kennen. Wäre es nämlich anders, hättest du mir deine Frage nicht gestellt. Deine Frage allein zeugt von großer Liebe.)

Verabrede dich mit ihm zu einem Picknick in seinem Kinderzimmer oder eurem Wohnzimmer. Macht es euch richtig gemütlich vielleicht mit einer Decke auf dem Boden. Erzähle ihm schon vorher, dass du einen ganz wichtigen Brief an ihn hast, den du ihm bei eurem Picknick gerne vorlesen möchtest.

Bereite auch eine Süßigkeit vor. Entweder du nimmst etwas was dein Sohn schon kennt und sehr gerne mag (z.B. ein Stück Schokolade) oder aber etwas Neues, wie etwa selbstgebackene Kekse, gesüßt nur mit der Süße einer Banane (da gibt es tolle Rezepte für superschnelle und superleckere Kekse ganz ohne Industriezucker). Wofür du dich auch entscheidest, richte es liebevoll an. Ein kleines Tablett mit einer kleinen Schale.

Und dann ließ deinem Sohn deinen Brief vor. Erzähl ihm, dass du auch gerne süßes ißt (wenn dem so ist) und dass du in Zukunft gerne mit ihm gemeinsam genießen möchtest, wenn ihr etwas leckeres esst.

Überleg dir vorher, ob es ein Ritual geben könnte, dass ihr etablieren mögt. Es ist doch wunderbar, gemeinsam etwas zu genießen, was man gerne mag! So setzen wir Erwachsenen uns dich gern zu Kaffee und Kuchen zusammen.

Vielleicht ist es ja ein gemeinsames „süßes Picknick“, dass ihr regelmäßig veranstalten mögt. Dann trefft ihr euch täglich/alle zwei Tage oder einmal die Woche. Jeder darf dann etwas ganz wunderbar leckeres aussuchen, was er naschen möchte. Vielleicht backt ihr sogar zusammen, macht gemeinsam einen frischen Smoothie aus den Lieblingsfrüchten oder legt 3 Stück Schokolade auf ein Tellerchen. Egal. Hauptsache ihr zelebriert was ihr liebt.

Und außerhalb dieses Rituals gibt es in der Regel keine Süßigkeiten. Weil es nicht nötig ist.

Denn die Lust auf Süßes ist doch oft auch nur eine Gewohnheit. Und Gewohnheiten können wir ändern. Wir müssen nur wollen. In diesem Fall musst du es für deinen Sohn wollen. Er ist dazu noch zu klein. Aber wenn du überzeugt bist, dass es für ihn ausreichend Süßigkeiten gibt währen eures Rituals, dann wird auch er sich damit anfreunden und es akzeptieren. Es wird dir leichter fallen Nein zu sagen. Du wirst dich in den Momenten, in denen es dir schwer fällt ihm seinen Wunsch auszuschlagen, an deinen Brief denken. Und an die Liebe zu ihm.

Ich glaube nicht, dass dein Sohn ab Einführung des Rituals oder nach dem Brief aufhören wird Süßes zu verlangen und eure Konflikte sofort aufhören werden. Aber durch den Brief wird bei ihm ankommen, was du eigentlich meinst: ich will das Beste für dich. Ich bestrafe dich nicht und ich nehme dir keine Freude.

Deine Frage war, wie du deinem Sohn verständlich machen kannst, dass zu viel Süßes nicht gut für ihn ist. Nach vielen Worten fasse ich nun nochmal zusammen: vergiss das rationale Erklären. Er ist zu klein es zu verstehen. Zeig ihm deine Liebe.

Und ändere eure Gewohnheiten. Aus Liebe.

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