Als ich vor über 10 Jahren mein erstest Praktikum als Hebamme auf einer Wochenstation in einer Klinik gemacht habe, war eine meiner ersten Aufgaben ein Neugeborenes zu wickeln und es umzuziehen.

Ich habe mich sehr wichtig gefühlt und auch mit einer großen Verantwortung konfrontiert. Im Wickeln hatte ich zwar schon Übung aber so ein zartes, frisches Wesen hatte ich noch nie gewickelt. Ich bemühte mich das Kind ganz vorsichtig und sanft zu berühren, es möglichst wenig zu stören und ihm natürlich auf keinem Fall weh zu tun.

Von Eile keine Spur, überlegte ich vor jedem Schritt wie er am besten zu bewältigen sei. Als ich das Kind ausgezogen und gewickelt hatte, begann ich frische Kleidung aus dem Wickeltisch zu suchen. Ich wühlte und wühlte. Doch ich fand nicht was ich suchte: angemessene Kleidung. Die Klinikwäsche, sie war steinhart. Bodys, Hemdchen, Strampler. Steinhart. Es waren Baumwollkleidungsstücke, gefühlte 803 Mal heiß gewaschen und durch die Mangel gedreht. Und wirklich wahr: hart wie Stein. Zumindest im Gegensatz zu der samtweichen Haut dieses kleinen Wesens. Es schien mir absurd diese Kleidung dem Kind anzuziehen.

Als ich an diesem Tag nach Hause kam, berichtete ich meiner Mutter: wenn ich einmal ein Kind bekommen sollte, werde ich es nur in Seide und Wolle wickeln. Zumindest in der ersten Zeit. Ich fragte sie: „findest du das nicht auch schrecklich: die kleinen Babys kommen aus dem warmen, weichen Bauch der Mutter. Dort ist nichts hart, kalt, steif. Sie sind doch dort umhüllt vom warmen Wasser. Und kaum sind sie auf der Welt, werden sie mit diesem Gegensatz konfrontiert.“

Vor meinem inneren Auge sah ich ein Kind, das nackt in Seidentücher gehüllt und mit Wolldecken zugedeckt in seiner Wiege lag. Diese Vorstellung war irgendwie ganzschön „hippimäßig“ und ich fragte mich, wie praktikabel es wohl sein würde. Aber es wäre es mir wert, wenn ich mein Kind so vor steinharter Kleidung schützen könnte.

Mir war nicht bekannt, dass ich durchaus nicht die einzige bin, die es für wichtig hält das Kind in kuschelweiche Kleidung zu hüllen, die aus natürlichen Matrialien besteht und dem Kind eine Hülle schenkt.

Ein Glück, dass ich vor der Geburt meines Sohnes feststellte, dass es wunderbare Kleidung für Babys und Kinder gibt, die aus Wolle/Seide bestehen. So konnte ich ihn, wie schon vor 10 Jahren beschlossen, außschließlich in Wolle und Seide hüllen ohne mich dabei allzu hippimäßig zu fühlen.

Das, was mir für mein eigenes Kind wichtig ist, ist mir natürlich auch für alle anderen Kinder wichtig. So empfehle ich meinen betreuten Familien immer, lieber weniger Kleidungsstücke für die Erstaussstattung, dafür aber von guter Qualität anzuschaffen. Natürlich muss es nicht ausschließlich Wolle/Seide sein, es gibt auch butterweiche Baumwolle.

Liebevoll ausgewählte Kleidung ist für mich ein Ausdruck von Geborgenheit. Und das nicht nur in den ersten Lebenstagen.

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