Ein Kind wird geboren. Die Eltern sind vollkommen im Glück versunken und bewundern ihr Kind. Geschwister und Großeltern kommen dazu und versammeln sich um das Bett in dem die Mutter mit ihrem Kind liegt. Alle sind aufgeregt. Doch sie alle flüstern und bewegen sich vorsichtig, lautlos. Sie beugen sich über das Neugeborene, streicheln zärtlich die winzige Hand und küssen sanft das kleine Köpfchen. Glück, Liebe, Sanftheit.

Diese ersten Begegnungen mit einem Neugeborenen strahlen eine ganz besondere Magie aus. Unser Verhalten ist intuitiv voller Achtung, Respekt und Liebe. Wir trauen uns kaum dieses kleine Wesen zu berühren. Es scheint fast als ob Neugeborene mit einer schützenden Hülle umgeben sind.

Jedes Kind hat das Recht achtsam berührt zu werden.

Achtsam, Sanft und ohne jede Grobheit. Und dieses Recht bleibt gültig. Für immer.

Je jünger ein Kind ist, desto häufiger berühren wir es. Wir heben es hoch, halten und wiegen es im Arm, wickeln es, ziehen es aus und an. Jede dieser Berührungen gibt uns die Möglichkeit unserem Kind unsere Liebe und unsere Achtsamkeit zu zeigen.

Die Umsetzung ist ganz leicht. Ein Anfang ist gemacht indem wir das Kind auf unsere Berührung vorbereiten. Das tun wir indem wir zum Beispiel sagen: „Ich nehme dich jetzt hoch.“. Ganz kleine Kinder verstehen unsere Worte vielleicht noch nicht aber sie spüren, dass es etwas passieren wird und werden sich nicht über eine plözliche Berührung erschrecken. Außerdem bereiten wir uns damit selbst auf die Berührung vor, wir lenken unsere Achtsamkeit auf das Kind und können ganz bei ihm sein. In der Berührung selbst können wir uns bemühen uns vorsichtig und langsam zu bewegen. Ohne Hast und Eile.

Bei größeren Kindern ist es ebenso wichtig unsere Berührungen und Handlungen anzukündigen. Neben der verbalen Ankündigung: „Ich werde dir jetzt die Nase putzen.“ können wir dem Kind auch zeigen was wir vorhaben. Wenn das Kind mit seiner Aufmersamkeit bei uns ist, zeigen wir ihm das Taschentuch, es wird verstehen, das wir ihm die Nase putzen werden. Dieses Vorgehen können wir in allen Situationen anwenden: wenn wir das Kind anziehen, zeigen wir ihm das Kleidungsstück und wenn wir den Mund abwischen möchten, zeigen wir ihm den Waschlappen.

Wichtig ist, dass wir dies alles achtsam tun. Warten wir, bis uns das Kind zeigt, dass es bereit ist. Stören wir es möglichst nicht in seiner Konzentration und seinem Spiel.

Sein wir achtsam und sanft!

Es ist reine Willenssache seinem Kind achtsam zu begegnen. Alleine der Vorsatz es zu probieren wird es uns möglich machen. Sicher können wir nicht immer und von jetzt auf gleich mit all unserer Aufmerksamkeit beim Kind sein. Doch wenn wir es etwas geübt haben, wird es ganz von allein passieren, dass wir abwarten bis das Kind bereit ist und wir mit all unserer Achtsamkeit da sind.

Und jedes Mal, wenn es uns gelingt, ist dies ein echter Liebesbeweis an unsere Kinder.

Also, beim nächsten Kinder-Nasenputzen kurz innehalten, bewusst werden und mit einer großen Achtsamkeit dem Kind zuwenden!

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