Neulich habe ich euch auf Instagram erzählt, dass mein Mann und ich mit unseren Kindern in einer Art WG leben. Das bedeutet bei uns: ich habe ein eigenes Zimmer mit einem Bett, einem Schrank und einem Schreibtisch. Und bei meinem Mann im Zimmer sieht es genauso aus. Jeder ist für sein Zimmer verantwortlich, hier herrschen die eigenen Regeln und die restlichen „Mitbewohner“ haben dort nur etwas zu suchen, wenn sie willkommen sind. Daneben haben wir Räume, die wir uns teilen, wie das Bad, die Küche und das Wohnzimmer.

Jeder hat sein eigenes Zimmer und sein eigenes Bett
Wie auch gelegentlich im „echten Leben“, wenn wir Besuch haben und unsere Wohnsituation zur Sprache kommt, entsteht ein zurückhaltendes Interesse, aber auch eine Betretenheit. Bedeutet das etwa, dass wir kein Paar mehr sind und deswegen getrennte (räumliche) Wege gehen? Womöglich wegen der Kinder zusammen wohnen bleiben? Mich erreichten viele Nachrichten, die mit einem unsicheren: „Ich will ja nicht zu intim werden aber… wie kam es dazu?“

Tatsächlich ist diese Wohnsituation kein bisschen intim. Denn es bedeutet keinesfalls, dass wir uns nicht mehr mögen oder uns nicht mehr nah sein wollen – im Gegenteil. Uns geht es gut und wir hoffen, dass das noch lange so bleibt! Auch hat diese Wohnsituation nichts mit unserem Liebesleben zu tun oder andere geheimnisvolle Gründe (zum Beispiel, dass einer so stinkt, dass der andere es nicht aushalten könnte – kennt ihr das Lied „Denn Jule wäscht sich nie“? – Trauma meiner Kindheit).

Die veränderte Wohn- und Lebenssituation als Eltern
Bevor wir Kinder hatten, haben wir immer in einer Art WG zusammengelebt. Nach der Geburt unseres ersten Kindes sind wir in ein kleines Häuschen gezogen und haben uns über die Raumaufteilung keine besonderen Gedanken gemacht: es gab ein „Eltern-“ Schlafzimmer, ein Arbeitszimmer und ein Besucherzimmer. Das Arbeitszimmer wurde von meinem Mann benutzt (vor allem um seine Dinge unterzubringen) und ich hatte meine Sachen hier und da und überall, aber ich hatte keinen eigenen Raum. In allen Räumen gab es eine Art Kompromiss – keiner von uns beiden wollte dem anderen seinen „Stil“ oder seine individuellen Gestaltungsvorlieben aufdrücken und nach und nach wurden zudem alle Räume kinderfreundlich und kindersicher und damit zu Familienräumen. So fand ich mich in jedem Raum wieder – aber eben nirgendwo ganz und gar. So gerne ich Teil der Familie und vor allem Mutter von kleinen Kindern bin und dies in den ersten Monaten auch quasi ausschließlich war, merkte ich, dass ich einen Raum für mich brauche, in dem ich auch wieder ein bisschen mehr „ich“ sein kann, in all den Facetten, die mich noch ausmachen, neben dem Mutter-sein. Ein Raum in dem ich ganz nach meinen Vorlieben und Bedürfnissen schalten und walten kann. Ein Ort an dem ich kreativ sein kann (und meine Nähmaschine ohne Probleme ein paar Tage stehen lassen kann ohne Angst vor neugierigen Kinderhänden und Nadeln zu haben), ein Ort an dem meine (Un-)Ordnung herrscht, ein Ort an dem ich alles so gestalten kann, wie es mir gefällt, ein Ort an den ich mich zurückziehen kann und sicher bin, es kommt keiner herein, weil er etwas braucht. Ein Ort für meine individuellen Bedürfnisse.

Ich brauche einen Raum für mich

Als wir dann noch einmal umzogen, wurde mir klar, dass ich mich nach einem eigenen Zimmer sehne. Wir hatten drei Zimmer zu vergeben (so wie vorher) und entschieden uns für ein Kinderzimmer, ein Zimmer für meinen Mann und ein Zimmer für mich (und ein gemeinsames Wohnzimmer). Und wir trennten es wirklich genau: In meinem Zimmer findet nichts von meinem Mann seinen Platz und umgekehrt.
Die meisten Paare, die zusammen wohnen scheinen sich alle Räume zu teilen (besonders das Schlafzimmer) und es scheint sogar vor dem Gesetz ein Indikator für eine funktionierende Beziehung zu sein „Bett und Tisch zu teilen“. Denn wer sich scheiden lassen will, muss mindestens ein Jahr getrennt sein, nach dem Gesetz bedeutet dies, seit einem Jahr Bett und Tisch nicht mehr zu teilen.

Ich habe jedoch für mich festgestellt, dass es mir in meiner Beziehung nur gut gehen kann, wenn es mir als Individuum gut geht. Und damit es mir gut gehen kann, brauche ich Raum und Zeit für mich. Seitdem ich mir dies nehme und auch meinem Mann ermögliche, geht es uns deutlich besser. Wir sind seit 11 Jahren ein Paar und seit 7 Jahren verheiratet. Wir haben viele Nächte in einem Raum geschlafen und es werden noch viele Jahre und Nächte folgen. Wenn wir also gelegentlich die Nächte in verschiedenen Räumen verbringen und jede Nacht theoretisch die Möglichkeit dazu haben, bedeutet dies das Gegenteil von einer (Beziehnungs-) Krise, es ist eine Investition in die Beziehung und in unser Wohlergehen.

Die Schlafsituation in unserer WG
Soweit so gut. Was dann aber immer DAS THEMA ist: Und wie schlaft ihr nun? Und wo schlafen die Kinder? Uns war von Anfang an klar, dass wir sowohl die Möglichkeit haben wollen, zusammen in einem Raum und einem Bett schlafen zu können als AUCH die Möglichkeit, dass jeder in seinem Zimmer schlafen kann, ohne dass das mit einem Aufwand verbunden ist. Die Lösung: die Kinder haben das größte Zimmer (zusammen) bekommen, in dem für jedes Kind ein Bett steht. Da mein Mann das zweitgrößte Zimmer bekam, war klar, dass hier ein großes Bett stehen muss, und in meinem, dem kleinsten Zimmer, nur ein kleines Bett Platz findet. Und wo wir schlafen? Das ist nicht so einfach zu beantworten – mal hier, mal da und meistens wachen wir in anderen Betten auf, als in die wir uns zum Einschlafen gelegt hatten. Wie das für die Kinder ist? Gut. Und „normal“. Sie erwarten nicht, dass ihre Eltern in einem Bett schlafen und könnten auch nicht denken, dass etwas nicht in Ordnung ist, wenn dem nicht so ist. Aber um ehrlich zu sein: Meistens wachen wir alle gemeinsam hier in dem Familienbett in dem Zimmer meines Mannes auf.

Macht das Familienbett das eigene Bett und Zimmer jetzt überflüssig?
Zugegebenermaßen sind die Nächte, die ich allein in meinem eigenen Zimmer in meinem eigenen Bett schlafe, überschaubar. Denn am liebsten schlafe ich mit meiner ganzen Familie in einem Bett. Vorausgesetzt natürlich, sie wollen es auch. Und doch ist mein eigenes Zimmer und mein eigenes Bett nicht überflüssig. Keinesfalls! Im Gegenteil! Ich liebe es, meinen eigenen Raum zu haben. Nur zu wissen, dass ich die Möglichkeit habe, allein und ungestört in meinem Bett schlafen zu können, verschafft mir eine große Freiheit. Denn für mich ist es kein Ent- oder Weder. Oft scheint es unter Eltern so zu sein, dass man sich gerade in Bezug auf das Thema Familienbett positionieren muss – entweder man ist dafür oder man ist dagegen. Ich halte eine andere Frage viel wichtiger:

Wie schläfst du am besten? Wie schlaft ihr am besten?
Das gemeinsame Schlafen im Familienbett kann eine Variante sein, die allen Familienmitgliedern ruhige Nächte und guten Schlaf beschert. Es hat gerade bei stillenden Müttern und Kindern einen deutlichen Vorteil und deckt viele kindliche Bedürfnisse zum Beispiel nach Nähe. In vielen Familien entsteht durch ein Familienbett ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit. Doch es kann auch eine Variante sein, die sich nicht stimmig anfühlt, weil damit die Bedürfnisse eines oder mehrerer Familienmitglieder nicht erfüllt werden (zum Beispiel das Bedürfnis nach Zeit allein, nach Schlaf ohne Berührung, nach Bewegungsfreiheit im Schlaf oder andere). Darum finde ich es wichtig, sich zu fragen, wer welche Bedürfnisse hat. Das Ziel , sollte heißen: „Wir bekommen alle möglichst guten und ausreichend Schlaf.“ Und die Frage: „Wollen wir im Familienbett schlafen oder nicht?“ sollte nicht im Vordergrund stehen.

Mein Appell
Löst euch von Dogmen, sowohl was die Raumaufteilung eurer Wohnung betrifft als auch, wie „man“ schlafen sollte. Es gibt gute Gründe zusammen zu schlafen und gute Gründe getrennt zu schlafen. Jedes Familienmitglied darf sich fragen, was es braucht, um dann eine Lösung zu finden.
Nicht selten habe ich schon gehört, dass eine Frau auch gerne ein eigenes Zimmer und ein eigenes Bett hätte, der Partner/ die Partnerin dies aber ablehnt und dies als Liebesentzug deuten würde. Mir zeigt das, dass wir oft noch in sehr starren gesellschaftlichen Normen denken. Traditionell ist es wohl oft so: Mutti und Vati schlafen im gemeinsamen Bett und die Kinder jedes in seinem Bett. Wenn einer der beiden Partner nicht mehr im gemeinsamen Bett schlafen möchte, ist dies ein Zeichen für ein (Beziehungs-) Problem und er wendet sich ab. Doch ganz ehrlich: wie viele Paare, die jahrelang (ein Leben lang?) nebeneinander in einem Bett schlafen, empfinden hierbei wirkliche, echte Nähe? Und wie viele liegen nebeneinander, jeder für sich? Auch hier noch einmal: ich glaube, dass es nicht die eine richtige Lösung gibt, die für alle gleich ist. Sicher gibt es Paare, für die es gut und richtig ist, jede Nacht nebeneinander zu schlafen. Doch wenn einer von ihnen das Gefühl hat, einmal etwas anderes auszuprobieren, wünsche ich mir, dass er die Möglichkeit ergreift es zu tun. Und dem anderen wünsche ich die Offenheit und die Zuneigung zu seinem Partner/Partnerin, um ihn/sie darin zu unterstützen herauszufinden, was sich richtig und gut anfühlt.

Am schönsten ist es natürlich, wenn alles sein kann, aber nichts sein muss und jede/r sich jeden Abend neu entscheiden kann, was sie/er möchte und braucht.

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