Die Hausgeburt ist eine Alternative zu der Geburt im Krankenhaus oder im Geburtshaus. Voraussetzungen sind eine komplikationslose Schwangerschaft, ein gesundes Kind und eine gesunde Mutter. Die Beurteilung, ob eine Hausgeburt in Frage kommt, übernimmt einzig und allein die Hausgeburtshebamme, die auch die alleinige und volle Verantwortung trägt.

Wenn eine Frau sich entscheidet, ihr Kind zuhause zu bekommen, ist deshalb der erste Schritt die Suche nach einer Hausgeburtshebamme. Sie begleitet die Frauen üblicherweise während der Schwangerschaft, bei der Geburt und auch im Wochenbett. Durch diese intensive Begleitung ist eine vertrauensvolle Beziehung möglich, die die Grundlage für eine Hausgeburt darstellt.

Der Sicherheitsaspekt bei einer Hausgeburt
Viele Frauen entscheiden sich aus einem Sicherheitsbedürfnis heraus für eine Hausgeburt. Wichtigster Aspekt hierbei ist die Eins-zu-eins-Betreuung durch die vertraute Person, die im Laufe der Wochen und Monate nicht nur die Wünsche und Bedürfnisse der Mutter kennenlernt, sondern auch das ungeborene Kind, den Schwangerschaftsverlauf und damit die Geburtsprozesse sehr sicher einschätzen und darauf eingehen kann.
Die Gewissheit, dass eine Fachfrau rund um die Uhr bereitsteht, um zur Geburt ins Haus zu kommen, und bei Fragen und Unsicherheiten jederzeit verlässlich erreichbar ist, gibt Schwangeren ein sehr beruhigendes Gefühl. Diese Sicherheit wird durch die Rufbereitschaft der Hebamme, die einige Wochen vor der Geburt beginnt, gegeben. Die Kosten werden meist zum Teil von der Familie selbst aufgebracht, manche Krankenkassen beteiligen sich daran. In dieser Zeit garantiert die Hebamme der Betreuten, zu jeder Tages- und Nachtzeit erreichbar zu sein und gegebenenfalls zu jeder Zeit zu der Familie zu fahren. Damit wird der Gebärenden bei Geburtsbeginn der oft anstrengende Weg zur Klinik abgenommen und sie muss sich in dieser sensiblen Phase nicht in fremde Hände begeben, sondern kann in ihrem gewohnten Umfeld bleiben.

Vorbereitungen zur Hausgeburt
Bereits vor der Geburt bespricht die Hebamme mit der Familie, welche Vorbereitungen für die Geburt getroffen werden müssen. Diese sind meist nicht sehr aufwändig und können schon in den letzten Schwangerschaftswochen gut organisiert werden. So werden Betten und Sofas mit wasserfesten Unterlagen ausgestattet, Handtücher und Snacks bereitgelegt. Manche Familien besorgen sich einen Gebärpool, stellen Eimer und Schüsseln bereit und sorgen dafür, dass der Geburtsraum zu jeder Zeit ausreichend beheizt werden kann.

Der Ablauf einer Hausgeburt
Während der Geburt ist die Hebamme durchgehend an der Seite der Gebärenden und verschiebt alle anderen Termine. Sie überwacht das Wohl des Kindes durch Herztonkontrollen und begleitet den Geburtsfortschritt intensiv und kontinuierlich. Ein Personalwechsel ist nur in sehr seltenen Ausnahmen notwendig. Im häuslichen Rahmen kann oft besser auf den ganz individuellen Geburtsverlauf und Fortschritt eingegangen werden. Die Hebamme muss sich nicht an strenge Richtlinien halten, sondern kann auf die Bedürfnisse der Frau eingehen. So werden während der Hausgeburt deutlich weniger störende Untersuchungen und Interventionen durchgeführt und Medikamente werden zurückhaltend eingesetzt. Die Gebärende hat ein deutlich größeres Mitspracherecht bei allem, was sie und ihr Kind betrifft. So entscheidet sie, wer bei der Geburt anwesend ist, wo sie sich aufhalten möchte, was sie essen und trinken möchte (dank des eigenen Kühlschrankes in greifbarer Nähe) und wie der Raum zum Empfang des Kindes gestaltet sein soll.

Mögliche Komplikationen bei einer Hausgeburt und bei einer Klinikgeburt
Der wichtigste Auftrag einer Hebamme bei ihrer Arbeit ist es immer(!), die Gesundheit und das Wohlergehen der Frau und des Kindes zu beobachten und zu bewahren. Es ist ihr Job, jegliche Abweichung von der Norm und die leisesten Vorboten einer Komplikation zu erkennen. Dies ist insbesondere während der Geburt elementar. Oftmals fällt der Hausgeburtshebamme die Einschätzung einer Gefahrensituation aus verschiedenen Gründen leicht. Nicht nur kennt sie die Gebärende, ihr Verhalten und ihren Körper sehr gut und kann hierdurch Abweichungen schnell erkennen, sondern sie ist auch außerordentlich erfahren und gut ausgebildet. Durch die Arbeitsbedingungen unter der Geburt, die nämlich sehr gut ist, kann sie sich zu 100% auf die Gebärende und ihr Kind konzentrieren und ist nicht durch eine große Menge an zusätzlichen Aufgaben abgelenkt.

Immer und überall können unter der Geburt Besonderheiten und Komplikationen auftreten. Wenn dies zuhause der Fall ist, entscheidet die Hebamme zu jedem Zeitpunkt, ob eine Verlegung in einen Kreißsaal geboten ist. Die Verlegung ist kein Ausdruck von Versagen und nicht in jedem Fall ein Notfall, sondern oft eine verantwortungsbewusste vorbeugende Sicherheitsmaßnahme.
Im seltenen Fall einer unvorhergesehenen, plötzlich auftretenden Komplikation ist die Hausgeburtshebamme selbstverständlich ausgebildet dieser zu begegnen. Liegt eine solche Komplikation vor, fordert die Hebamme ärztliche Unterstützung an und leitet alle nötigen und möglichen Maßnahmen ein.

Lebensbedrohliche Situationen treten in den seltensten Fällen völlig ohne Vorzeichen oder Risikofaktoren ein. Häufig resultieren sie aus einem ungünstigem Geburtsverlauf und/oder interventionsreichem Vorgehen. So sind eine medikamentöse Geburtseinleitung sowie jegliche Medikamente unter der Geburt ein Risikofaktor für Mutter und Kind. Stressfaktoren wie dauerhafte CTG-Überwachung, Konfrontationen mit fremden Personen und damit einhergehende Eingriffe in die Privatsphäre der Frau sowie unvorhersehbare Geschehnisse wie Raumwechsel, Personalwechsel oder Fahrten zu einem anderen Kreißsaal können protrahierte (=verlängerte oder verzögerte) Geburtsverläufe hervorrufen. Assistierte oder fokussierte Geburtsbeendigungen, sei es mit einem Wehentropf, dem so genannten Kristellerhandgriff, einer Zange oder einem Vakuumgerät, bedeuten extremen Stress für das Kind und können Komplikationen und Notfälle hervorrufen. Eine Geburt in PDA ist eine interventionsreiche Geburt und kann als solche komplikationsreich verlaufen. All dieses Interventionen und Maßnahmen sind im häuslichen Umfeld nicht möglich.

Oft verlaufen Geburten zuhause anders als im Klinikumfeld. Die Gewissheit, in dem gewohnten Umfeld in den erfahrenen Händen einer Fachfrau zu sein, sowie die Sicherheit, nicht von fremden Personen irritiert zu werden, erlaubt der Schwangeren, sich voll und ganz auf die Geburt einzulassen.

Wenn das Kind zuhause geboren ist
Nach der Geburt fällt das Bonding zwischen Mutter und Kind oft leichter als in einer Klinik, da weder ein Zeitdruck herrscht noch eine räumliche Trennung nötig ist. Oft führt die Hebamme die erste Untersuchung des Kindes im Bett der Mutter durch, so dass die beiden zu keinem Zeitpunkt voneinander getrennt werden müssen. Auch Geburtsverletzungen der Mutter können oft vor Ort versorgt werden. Üblicherweise muss das Kind erst zur U2, also nach spätestens 10 Tagen, bei einem Kinderarzt vorgestellt werden und die Mutter und das Kind können bis dahin im heimischen Schlafzimmer den Anfangszauber genießen.

Wenn Mutter und Kind einige Stunden nach der Geburt gut angekommen sind, verlässt die Hebamme die Familie und kommt im Laufe des nächsten Tages zum ersten Hausbesuch zurück.

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