Rückbildung: bei vielen Frauen ist eine erste Assoziation dazu: verstaubt, trocken und altbacken. Rückbildung klingt nicht nach Wohlbefinden, Me-Time und Glücksgefühlen. Aber ganz genau dazu solltest du deine Rückbildung machen!

Das Dilemma rund um die Selbstfürsorge nach der Geburt
Ein Neugeborenes fordert viel Aufmerksamkeit. Sehr, sehr viel Aufmerksamkeit. Das Wachsen in die neue Rolle der (Mehrfach-)Mutter und die Verarbeitung der Geburt sowie die veränderte Familiensituation nehmen ihren Raum ein. Da geht eines schnell unter: der Blick auf die eigenen Bedürfnisse. Das ist ein Stück weit sinnvoll und angemessen (denn so ein Neugeborenes ist abhängig von uns und unserer Fürsorge) und auf der anderen Seite auch höchst gefährlich. Dann nämlich, wenn du dich vollkommen aus den Augen verlierst und deine Bedürfnisse dauerhaft und konsequent hinter die Bedürfnisse der anderen stellst.
Du solltest dich also bereits zu Beginn deines Abenteuers „Mutter werden“ darin üben, deine Bedürfnisse wahrzunehmen und situationsangemessen zu befriedigen. Im Wochenbett ist es oft gut, das eigene Wohlbefinden in den gegebenen Alltagssituationen und Möglichkeiten zu erhöhen. Kuschelkleidung statt drückender Jeans, bequeme Still-Wäsche statt enger Höschen, fünf Minuten Duschen mit dem Lieblingsduschgel statt Katzenwäsche, Lieblingsmusik auf den Ohren statt Dauerbedröhnung durch den Fernseher. Schau, was sich für dich richtig anfühlt und was dir gut tut!

Was es mit der Rückbildung auf sich hat
Mit der Rückbildung nach der Geburt ist vor allem die körperliche Rückbildung der Organe, die sich durch die Schwangerschaft verändert haben, gemeint. Das tun sie ein Stück weit von ganz allein, manches können wir dabei unterstützen und anderes braucht unsere aktive Arbeit.
Eine vernachlässigte Rückbildung unmittelbar nach der Geburt kann weitreichende Spätfolgen wie Inkontinenz in weiteren Schwangerschaften oder in späteren Jahren nach sich ziehen.
Rückbildung nach der Geburt als wichtige Säule der Selbstfürsorge
Die Selbstfürsorge im Wochenbett besteht aus zwei Komponenten:
„- dein körperliches Wohl: Nimm dir die Zeit, dich um die Heilung deiner Wunden zu kümmern; ruhe genug aus, um zurück zu deinen körperlichen Kräften zu kommen; iss und trink regelmäßig das, wonach dir ist und was dir gut tut.
– dein seelisches Wohl: Fühl in dich hinein und überlege, was du brauchst. Deinen Partner, der dich möglichst oft in den Arm nimmt? Deine Freundin, die einfach da ist? Eine halbe Stunde ganz allein in deinem Bett mit deiner Lieblingsserie oder an der Nähmaschine? Das Wichtigste ist, dass du es selbst herausfindest und kommunizierst.“
Zitat aus „Mutter werden. Dein Begleiter durch die ersten Wochen nach der Geburt. Tilgner&Friese

Um dein körperliches Wohl nach der Geburt wieder herzustellen und auch langfristig zu erhalten, ist es wichtig, dass du die Rückbildung ernst nimmst.

Was die Rückbildung für dich ganz konkret bedeutet

– In den ersten 14 Tagen solltest du liegen. Im Bett oder auf dem Sofa. Ja, wirklich: Liegen. Das ist nicht nur wichtig, damit du zu Kräften kommst (ganz egal wie deine Geburt verlief, sie war sicher körperlich anstrengend!), sondern noch viel mehr für deinen Beckenboden. Der Beckenboden wird durch die Schwangerschaft, also das höhere Gewicht, das durch das wachsende Kind und das Fruchtwasser etc. entsteht, belastet und gedehnt. Dies geschieht unabhängig von dem Geburtsmodus, betrifft also auch Frauen, die mit einem Kaiserschnitt ihre Kinder geboren haben.
In den ersten Tagen nach der Geburt, wenn dieses Extragewicht wieder weg ist, ziehen sich die Muskelfasern wieder zusammen und der Beckenboden formiert sich. Dies kann jedoch nur vor sich gehen, wenn kein Gewicht auf dem Beckenboden lastet, und das ist nur in einer waagerechten (also liegenden!) Position möglich.

– In den ersten Tagen bis Wochen kann es sehr wohltuend sein, den Bauch zu stützen. Nachdem die Bauchdecke über Monate gedehnt wurde und dem wachsenden Kind Platz machte, braucht sie nach der Geburt Zeit um sich zurückzubilden. Durch die veränderten Platzverhältnisse nach der Geburt haben die Bauchorgane viel Platz und wenig Orientierung. Hier kann dir ein medizinischer Bauchgurt, ein einfacher, um den Bauch gewickelter Schal oder eine ReBelt Panty helfen, er stabilisiert die Bauchdecke und gibt Halt.

Die ReBelt Panty von Anita maternity ist eine gute Möglichkeit, sich selbst etwas Gutes zu tun. Sie gibt dem Bauch Halt und stärkt damit deine Mitte. Die Panty ist durch die Häkchen am Rand variabel anpassbar. Achte darauf, dass die Hose nie zu eng ist. Wenn es sich bequem anfühlt, ist es genau richtig. Auch nach einem Kaiserschnitt tut der Halt durch diese Panty oft gut.

– Nach einigen Wochen kannst du mit der aktiven Rückbildung beginnen. Dabei werden deine Rumpf- und Beckenbodenmuskeln durch ein gezieltes Training gestärkt. Mit Hilfe ausgewählter Körperübungen solltest du sowohl Rücken- als auch Bauchmuskeln und die Beckenbodenmuskulatur langsam, aber stetig trainieren. Deine Wochenbetthebamme kann dir Übungen zeigen und am Ende des Wochenbettes kannst du einen Rückbildungskurs besuchen.

Keine neuen Erkenntnisse

In meinem Hebammenlehrbuch von 1928 steht in dem Kapitel das regelmäßige Wochenbett, 1. Vorgänge bei der Wöchnerinin dem Abschnitt „Bettruhe“:
„Die Wöchnerin soll möglichst 9 Tage Bettruhe einhalten…Zur Stütze der Bauchdecken und zur Vermeidung einer bleibenden Erschlaffung derselben ist es auch zweckmäßig, den Leib der Wöchnerin mit einer straffen Binde zu wickeln…“
Auch wenn man in Bezug auf die Geburt und das Wochenbett vor knapp 100 Jahren vieles noch anders gesehen hat als wir es aus heutiger Sicht der Wissenschaft und Forschung tun, gibt es Dinge, die waren damals wahr und sind es heute. Es erscheint mir wertvoll dieses Wissen nicht zu vergessen.

Vorbereitungen für deine Selbstfürsorge und deine Rückbildung
Eine der wichtigsten Vorbereitungen auf die Zeit nach der Geburt ist die Planung deiner Selbstfürsorge und Rückbildung. Das Spannende dieser Zeit ist ja, dass man wenig planen kann – denn insbesondere mit Kindern kommt es anders als man denkt. Doch genau diese Situation lässt sich planen. Vor allem darin, dass du dir vornimmst, dir die Räume zu schaffen, dich um dein eigenes Wohl zu kümmern, eben so gut es in dieser Zeit geht.
Damit du damit nicht bei Null anfangen musst, wenn es aktuell ist, empfehle ich dir, schon in der Schwangerschaft zu überlegen, was dir guttun könnte und was du dazu brauchen wirst. Am besten du besorgst all die Dinge, die du brauchen könntest, schon jetzt und sammelst sie an einem Platz. Einem Platz mit Dingen, die dich glücklich machen.

Wenn ich dir einen solchen Platz einrichten sollte, würde ich folgende Dinge hineintun:
– bequeme, schöne und funktionale Unterwäsche
– deine Lieblingsshirts und Leggins
– Snacks
– ein gutes Buch
– deine Lieblingsmusik
– ein schönes Duschbad
– eine Kuscheldecke
– ein Notizbuch

Wäre das schon das, was dich glücklich machen würde? Oder was bräuchtest du noch dazu? Was würdest du wieder ausräumen?

Als ich gerade mit diesem Post fertig bin und meinen Schreibtisch aufräume und das Hebammenbuch in die Hand nehme, fällt mir etwas ins Auge: zwischen dem Buchrücken und dem Schutzumschlag steckt ein beschriebener Zettel. Ich lese: “Am Donnerstag d. 4. August 1932 vormittags 11 wurde ich auf den Kreißsaal gerufen, um die Entbindung bei Frau Herta Bück, 29J viertgebärende zu übernhemen.” Da halte ich nun wirklich einen Geburtsbericht von einer Kollegin von vor fast 90 Jahren in den Händen. Ein unglaublicher Schatz für mich.

 

Dieser Post ist in Zusammenarbeit mit Anita maternity entstanden. Vielen Dank für die gute Zusammenarbeit!

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